Amalie • 00:06
CULTURA – Kulturgespräche. Der Podcast von Forum Cultura. Wir besuchen die Ausstellung „Steine, die Geschichte schreiben – Die Welt der Ankerbausteine“ im Museum Schlosspark in Bad Kreuznach. Der Sammler Tobias Mey führt uns durch die Räume und nimmt uns mit auf eine ganz besondere und persönliche Zeitreise.
Tobias • 00:40
Ja, ich darf mich kurz vorstellen, Tobias Mey. Ich arbeite am Theater, habe lange Zeit die Garderobe gemacht für den Schauspielern. Und das Problem war, dass ich tagsüber viel frei hatte. und dann kommt man immer auf dumme Gedanken und irgendwann kam es zu einer Situation, dass ein Klassenkamerad von mir kurz nach der Wende zu mir gesagt hat, ich müsste mit ihm nach Leipzig. In Leipzig war der erste große Flohmarkt, da gab es nur DDR, die waren noch nicht aufgelöst. Flohmärkte gab es früher in der DDR nicht, die waren verboten. Dieses alte Zeug da, das hat zum Start nicht gepasst. Das war also wirklich der erste große. Ich habe mich lange gewehrt, aber habe mich dann doch morgens um vier rausgezerrt. Und dann sind wir dahin gefahren und mir ist dann der Kinnladen runtergefallen.
Besucher • 01:39
1990.
Tobias • 01:40
1990, ja, im Juni. Es war wirklich so, als würden sie durch ein Museum gehen. Aber eben alles zu kaufen. Also wir können ja alles anfassen. Und ich habe noch nie sowas gesehen. Ich kannte ab und zu mal so was in der Art, da gab es alles, was eigentlich ins Museum gehörte. Ich war so auf Dauen, dass ich eigentlich kaum was gekauft habe. Das war gut wie nichts. Aber dann kamen wir an einem Stand und deswegen erzähle ich das. An einem Stand stand ein Baukasten, Holzbaukasten mit Messing-Ecken. Und ich stand davor und machte den Deckel auf und war hin und weg. Genau das, was die Person, die den produziert hat, wollte. Nämlich ich sah diese Steine und dachte, den musst du haben. Und ich habe dann, das ist mein Freund gesagt, und der guckte mich an und hat gesagt, den kaufst du nicht, der ist auch schwer. Was willst du mit dem Mist? Das steht nachher nur zu Hause rum. Also habe ich es sein lassen. Das Problem wurde auf der Rückfahrt der Kassen immer schöner und größer in Gedanken. Ja, das was man nicht hat. Und dann habe ich daran überhaupt nicht mehr lassen können. Dann habe ich gesagt, okay, dann muss ich jetzt was machen. Ich gebe eine Anzeige, da habe ich noch in Stuttgart gelebt, ich gebe eine Anzeige auf, ich suche einen alten Anker auf deinem Baukasten. Weil den Anker, das hatte ich mir gemerkt, dass da ein Anker drauf war. Dann meldete sich auch gleich ein Herr Mittelbach. Dann bin ich zu dem hin und er hatte einen großen Ankersteinbaukasten. Und dann kamen gleich zwei Sachen zusammen, die eigentlich so das Fundament für die Sammeltätigkeit waren. A, die persönlichen Hintergründe von den Leuten, die die besessen haben und eben die Baukästen selbst. Und das war immer diese Kombination, die Geschichte und die Baukästen, was mich dann so fasziniert hat. Er erzählte nämlich, er war der Sohn des Autobahnbauministers in Dresden. Und die hatten eine Villa und die war neu. Die hatte seinen Papa so einrichten lassen, dass wenn eine Bombe auf einen Takt fällt, der andere komplett stehen bleibt. Okay, dann kam halt der Dresdner Angriff. Dummerweise finden auf beide Hälften der Villa eine Bombe. Und das Einzige, was wir geredet haben, waren die Pelze von meiner Mutter, ihren Schmuck und ich meinen Angriffsteinbaukasten. Den hat der also rausgezogen noch aus dem Brändenhaus. Und das war natürlich für mich total faszinierend. Man hat mit den Leuten selber sprechen können. Und das war auch der Anfang. Die Zeit war so 1990, dass ich die Leute noch selber kennenlernen konnte, die die besessen haben. Das heißt, da war noch nichts Neutrales dazwischen. Ich habe dann immer die Leute auch interviewt. Und war total fasziniert, dass früher eigentlich ganz anders Kinder gespielt haben als heute. Dass überhaupt Spielen eine Sache ist, die relativ spät gekommen ist. Und dann habe ich natürlich angefangen, mich für die Geschichte auch der Kinder zu interessieren. Und eben da erst gelernt, dass Kinder eben nicht immer Kinder sein durften. Es war lange Zeit eben eine kindheitslose Zeit, dass die Sache erst so langsam anfing, nachdem so Pädagogen wie Pestalozzi oder Fröbel eben erkannt haben, Kinder brauchen ihre eigene Zeit, ihre eigene Welt, damit sie ins Erwachsenenleben hinübergeführt werden können. Und der Fröbel war eben der Überzeugung, Kinder müssen die Welt unter anderem begreifen. und hat dann ein Baukastensystem entwickelt. Verschiedene Holzbaukasten mit verschiedenen Elementen. Je älter sie waren, desto mehr Elemente waren da drin. Und die Kinder sollten da eben nachbauen, was sie so sehen. Und das war eigentlich so der Ursprung von der Baukastensache. Es gab schon vorher so Bauplätze. Selbst die Ägypter haben schon Tonsteine hergestellt für Kinder zum Bauen. Aber das war nicht so systematisch eingesetzt wie bei ihm. Und von ihm ist ja auch der Kindergarten, der ja den Müttern erlaubte, ihre Kinder in Gebäude oder in Situationen abzugeben oder auch sie zu begleiten. was in Preußen mit der Zeit überhaupt nicht gut angekommen ist, weil das war in Thüringen, weil die Mütter fingen dann an zu diskutieren, ja, wie sieht es denn aus mit Wahlrecht und solchen Sachen und warum haben wir eigentlich so wenig Rechte oder so gut wie keine. Die Frauen haben dann angefangen eben zu diskutieren, ja, es ist doch vielleicht nicht alles ganz so toll, wie es in der Männerwelt bis jetzt ist. Deswegen haben die Preußen dann auch die Kindergärten verboten. Aber das war natürlich zu spät. Das war dann so prägnant für die Zeit, zumal eben auch erkannt wurde, dass die Kinder eben einfach ihre Zeit brauchen. Dann wurden in Biedermeier auch Kinderzimmer extra eingerichtet. Das gab es vorher auch nicht. Das heißt, Kinder haben ihren eigenen Raum gehabt. Da haben sie mit ihren Zinssoldaten spielen können, eben auch mit den Baukästen. Ja, und das führte eben zu dieser Position, dass eben ein Kinderspielzeug eben auf dem Markt eine gewisse Anzahl erreichte. Das waren erstmal diese Zinssoldaten, ganz klar. Aber eben diese Baukästen, das hat sich auch rapid schnell entwickelt, weil Kinder sehr gerne eben die Welt nachgebaut haben. Das machen sie auch heute noch, da hat sich ja nichts geändert. Also was ich als Kind sehe, möchte ich eben nachbauen.
Besucherin • 07:48
War das nicht auch dann für so bestimmte Gesellschaftsschichten möglich? Ich meine, so die ärmeren Schichten.
Tobias • 07:57
Die Bauernkinder, die Arbeiterkinder, die waren von dieser Kinderwelt ausgeschlossen. Kinder mussten arbeiten ab 10, 12. Vorher mussten sie Hilfstätigkeiten übernehmen. Das heißt, für die war keine Zeit zum Spielen. Für die war weder das Spielzeug erwerbbar, weil das selbst ein Holzbaukasten hat einen oder zwei Taler gekostet, war unvorstellbar. Noch eben das vorstellbar war, dass die Kinder nicht mit verdienen, ganz klar. Es war für die Bürger nicht gedacht, ganz klar. Ja, warum erzähle ich die ganze Vorgeschichte? Das waren eben Holzbaukästen, die produziert wurden. Und das hat sich sehr, sehr schnell verbreitet. Die Produktion begann im Erzgebirge oder in den Gebieten auch im Schwarzwald, wo im Holz verarbeitet wurde. Und erst gab es nur ganz kleine Kästen und dann immer größere Kästen. Und dann gab es in Biedermeier auch riesige Kästen, je nach Geldbeutel. Und das war auch lustig. Ich habe in Deutschland kaum große Biedermeierkästen gefunden. Das habe ich alles in Paris gefunden. Warum? Das ist mir erst klar geworden, okay, Paris war halt nicht bombardiert. Alle Großstädte bei uns, die sind halt im Zweiten Weltkrieg mehr oder weniger zu stören. Damit war dieses Spielzeug eben mit zerstört. Und in Paris habe ich damals im Laufe der Zeit so ein gutes Dutzend Peter Mayer Baukästen von kleinen bis ganz großen finden können. Deutsche. Weil ich habe sehr schnell gemerkt, okay, es gab dann auch andere Länder, die Baukästen hergestellt haben. Aber ich habe es dann gleich beschränkt auf Deutschland, weil in Deutschland das eben angefangen hatte. Ja, das hat sich toll entwickelt, aber so ein Holzbaukasten, so ein großer Holzbaukasten, der fängt dann an, Nachteile zu haben. Das heißt, wenn Sie einen hohen Turm bauen, das sind halt relativ leichte Steine, dadurch ist die Sache halt nicht so besonders stabil. Und jetzt kommen zwei Brüder hinzu, die eigentlich aus einer ganz anderen Geschichte, wir kennen nämlich der Otto Lienthal und seinen Bruder Gustav Lienthal. Ihr Ding war halt die Fliegerei. Ganz klar, die haben jede Woche an ihren Fluggeräten gebastelt, waren aber nicht besonders vermögend und das kostete alles sehr viel Geld. Und da mussten sie sich halt überlegen, ja, wie finanzieren wir die Sache? Und dann ist der Gustav auf die Idee gekommen, Mensch, diese Holzbaukästen, die sind zwar schön und sehr beliebt, aber der Nachteil ist halt einfach ihre Innenstabilität bei großen Bauten. Und er hatte in einem alten Handwerkerbuch ein Rezept gefunden, wie man Sandstein ausbessert. Und hat gesagt, da dieses Rezept nehme ich und versuche mal, daraus Material für den Baukasten zu machen. Und dann haben die beiden sich halt hingesetzt, haben ein System entwickelt aus Quadern und Walzen und Spitzen für Dächer, Dreiecke und den drei Farben gegeben. Und diese drei Farben, die haben sich bis zum Schluss gehalten, nämlich damals waren die meisten großen Gebäude aus Sandstein, sei es Rot und Gelb. Das ist eben dann auch dieses Merkmal der Baukästen geworden und eben Vieferdach und deswegen dieses Blau, das wir bei den Dächern sehen. Und dieses System haben die beiden dann entwickelt und haben es dann 1877 in Berlin bei den Spielwarenläden, wo sie durften, haben sie es reingestellt. Leider ist es nicht sehr gut angekommen, weil die Leute wussten nicht viel damit anzufangen. Wenn da was da ausgestellt ist, das heißt noch lange nicht, dass die Kunden dann sehen, dass das auch wirklich große Vorteile bringt bei größeren Sachen. Also die Sache hat sich leider miserabel verkauft. Sie haben eher Verlust gemacht. Also das Geld, das sie reingesteckt haben, haben sie gar nicht rausgeholt. Und dann haben sie das System eigentlich so mehr oder weniger eigentlich wieder wohnen lassen wollen. Dann hat aber ein Freund von ihnen, der Herr Georgens, der kannte einen Fabrikanten. Und der hat diesem Fabrikanten dieses System gezeigt. Und jetzt kommen wir auf den Herrn Richter. Der Herr Richter war schon damals ein großer Fabrikant. Und der hat dieses System gesehen und sofort erkannt, das ist ein geniales Spielzeug. Das muss ich umsetzen. Ich suche nach neuen Möglichkeiten, mehr Geld zu verdienen. Das ist genau das Richtige. Der Richter kam aus recht einfachen Verhältnissen, war Sohn eines Bäckermeisters. Also mit Geld war dann nicht viel. Aber das war einer, der hat mir als Kind gesagt, mein Ziel ist es mal später, reich zu werden. Das heißt, das war für ihn ein und alles. Er muss dieses Ziel erreichen, reich zu werden. Angefangen hat er bei einem Drogisten, ist dann dort ausgestiegen, hat dann angefangen, so Wundermittelchen herzustellen. Das war jetzt nicht ganz unproblematisch. Der hat er angeblich aus Amerika bezogen, hat damit aber einfach die Mittel von anderen Apothekern kopiert. Das kam natürlich bei den Apotheken und den Drogisten nicht sehr gut an. Das heißt, da gab es erste Schwierigkeiten, Prozesse. Er musste dann immer wieder umziehen. Er musste aber nach Luxemburg fliehen, weil er da die Folgen nicht beglichen hat. Es war eine sehr unsichere Sache. Er hat zwar immer wieder gemint gemacht mit den Sachen, aber es war immer so auf und ab. Deswegen suchte er halt nach einem zweiten Standbein und das sah er in diesem Baukasten. Und als ich noch jung war, wurde immer die Geschichte so erzählt, der Richter hat die Lienthal übers Ohr gehauen und er ist steinreich geworden. Und sie ging hier aus, die Armopfer. Es ist halt nicht ganz so. Also wenn man mit der Zeit halt ein bisschen reviviert. A, die Lienthalts hatten das System sowieso von so mehr und weniger aufgegeben. B, haben sie eben, was auch nicht ganz sauber ist, eben das als Patent verkauft. Das war aber ja halt gar kein Patent. Wir haben ja gerade gehört, dass das von einem Handwerkerbuch dieses Rezept war. Natürlich diese Form und die Form, die sie entwickelt haben, das ist ihr Ding. Aber Patent gab es da halt nicht drauf. Aber sie haben sie als Patent verkauft. Er hat es auch als Patent dann gleich angemeldet. Und dann hat er halt gleich was investiert. Nämlich er hat gleich vier Architekten angestellt. Die sollten das System weiterentwickeln. Und die haben es dann auch getan. Und zwar ganz gewaltig. Wir haben innerhalb von einem Jahr haben die aus dem Lilienthal Baukasten, da gab es zwar aufgeführende Größen, aber es war recht bescheiden, haben aus dem Lilienthal Kasten was richtig großen Strauß schon entwickelt. Und wenn wir hier mal an die erste Vitrine hier kommen, das sind so die ganz frühen Produkte von Richter. Dieses Mosaik, das hatte noch Lilienthal für den Richter entworfen, nachdem er ihm das Patent eben abgekauft hatte. Deswegen ist hier auch dieser Name Georgens drauf, weil der Georgens, das war der Vermittler von der Sache. Und der Georgens hat selber auch Beschäftigungsmittel für Kinder hergestellt. Also das war erst mal Friedliches nebeneinander. Die Lilienthaler haben das eben komplett abgegeben. Der Gustav ist nach Australien, weil er für die Eisenbahn große Aufträge hatte, für Bahnhöfe, für Brücken. Damit war die Sache eigentlich erst mal für die Ligentals erledigt. Und der Richter hat dann halt schnell, seine Architekten, die haben halt eben gesagt, das System ist gut, aber man könnte was verbessern. Und wenn man diese zwei Bogensteine jetzt sieht, die Ligentals hatten diese kleinen Steine hergestellt. Die hießen Kleinkaliber, kleines Kaliber, hat Niederrichter genannt. Und seine Architekten haben aber gesagt, das ist für Kinder ein bisschen schwer. Die sind noch ein bisschen zu klein. Sie würden mal vorschlagen, ein 25% größeres System nach derselben Form herauszubringen. Und das war dann schließlich, also diese Kleinkaliber haben sich nicht so gut verkauft, aber dieses Großkaliber, das war der absolute Renner. Und das ist wirklich explodiert, die Verkaufszahlen von diesen Großkaliberkästen, die haben ihn dann wirklich steinreich gemacht. Also ist es nicht ganz einfach zu sagen, dass der Richter jetzt die Linenthal übers Ohr gehauen hätte, weil er hat eben erst durch seine Architekten dazu beigetragen, dass das eben so ein großer Erfolg wurde. So, jetzt kommt 1884 der Gustav Wienthal aus Australien wieder zurück nach Deutschland und sieht überall diese Angriff-Fleimboer-Kasten. Jeder Spielwandler hat diese Angriff-Fleimboer-Kasten. Das gibt es doch nicht. Dann haben sie eben gesehen, oha, der macht damit viel Geld. Ja, das können wir selber auch, haben sie gedacht. Also sind sie wieder in diese Fleimboer-Kasten-Produktion eingestiegen. mit der ruhigen Gewissheit, das Patent, das Richter verkauft haben, das gilt ja sowieso nicht. Also haben sie auch nichts zu befürchten. Okay, Sie können sich natürlich vorstellen, Richter war begeistert, dass er einen neuen Konkurrenten hatte und hat dann prozessiert gegen die Lientals. Er hat dann zwei Jahre später diesen Prozess auch gewonnen, weil, das hatten die Lientals ganz vergessen, Sie hatten ihm vertraglich unterfrieben, dieses oder ähnliches Spielzeug nicht mehr herzustellen. Und das war dann dieser Punkt, wo die Gerichte dann Richter recht gegeben haben. Da waren die jeden Teil natürlich ganz schön am Boden und mussten noch, ich glaube, sie hätten noch mindestens 10.000 Mark, glaube ich, Strafe zahlen müssen oder sogar noch mehr. Das hätte sie ruiniert. Der Richter hat gesagt, sie sollen ihm einfach ihre Maschinen, die sie schon wieder gebaut hatten, die sollen sie ihm zur Verfügung stellen, dann zieht er über eine Geldstrafe hinweg. Haben sie dann gemacht. Für jeden Tag war die Sache natürlich dann endgültig erledigt. Also anstatt Geld zu machen, haben sie viel Geld verloren. Aber Richter hatte dann trotzdem keine Ruhe. Das Patent war ungültig. Diese Patentbaukästen, das steht bei den Grünen auch immer drauf, ja, dieser Patentbaukasten mit wirklichem Stein, das Patent war halt nicht mehr gültig. Das heißt, im Grunde, wenn was nicht gültig ist, dann kann man das eben auch kopieren. Und was ist passiert? Er hat zwei Angestellte in seiner Fabrik gehabt, den Paul und den Georg Keller. Die haben in der Steinbaukastenproduktion gearbeitet, haben das natürlich eifrig verfolgt mit diesem Prozess. Wir sehen, okay, den Prozess hat zwar Richter gewonnen, aber das Patent ist aberkannt. Das heißt, jeder kann das eigentlich nachmachen. Ja, und was machen die? Da weißt du, wie die sind? Keinen Kilometer weiter machen sie ihre eigene Fabrik auf mit einer Steinbrückkastenproduktion. Der Richter hat natürlich getobt, aber auch rechtlich konnte er nichts machen. Und dann haben die tatsächlich ihr eigenes kleines Reich aufgebaut, die Kellers, Und haben auch recht gut verkauft und auch in lange Konkurrenz gemacht. Also 1886 haben sie angefangen, 1910 war Ende, also 24 Jahre. Das ist für eine lange Zeit. Richter hat sich natürlich sehr darüber geärgert. Auch andere Konkurrenten gab es dann, die dann diese Steinbaukasten hergestellt haben. Die Kellers haben auch relativ gut die Qualität von ihren Steinen gehabt, weil die waren ja in dieser Produktion drin. Andere haben nicht ganz so gut produziert, natürlich viel billiger als Richter, aber die Qualität war halt auch nicht ganz so gut wie seine. Und deswegen war im Grunde sein Imperium da nicht groß in Gefahr, weil die Großkaliber-Ankrafteinbaukasten, die waren wirklich die beste Qualität. Ich kann es nur bestätigen, ich habe mich dann so erkoren zum Stiftung Warentest, Baukästentest, Ich habe alles immer durchgebaut. Wie geht es mit den Systemen? Baut sie es gut mit denen? Sind die gut erklärt, die Systeme, auch vom Bauen her? Sind sie schlecht erklärt? Und da muss ich sagen, war halt richtig das Großkaliberkästen schon immer mindestens gleichwertig, meist halt dann auch besser.
Besucherin • 20:59
Passiert das auch heute noch auf dieser Rezeptur, diese Steine?
Tobias • 21:03
Genau, ja. Ich habe gerade erzählt, 1995 hat sich die neue Firma gegründet. Die haben mich gefragt, wie wird es aussehen auf dem Markt? Da habe ich gesagt, also mit Lego und den ganzen anderen, das halte ich für schwierig, die Kleinkästen, ja. Bei den Großen war es skeptisch und lag daneben, weil die haben inzwischen seit 1995 diese Produktion. Es ist natürlich keine riesige Produktion mit dem Imperium von Richtern, nicht zu vergleichen. Aber sie haben sich eine Nische erobert mit genau diesem System. Also Kreide, Leinöl und Sand sind die Zutaten und eben diese Farbstoffe. Und im Gegensatz zum Lego halt, müssen sie die Statik beachten. Also ein Lego-Baut, das können sie ja vorzubauen, das ist natürlich egal. Aber bei den Steinbauten folgen sie halt im Kleinen der großen Statik. Und es freut mich natürlich, dass es so diese Niefe, dass sie sich hält und dass die Kinder eben auch das schätzen. Nicht nur das andere. Ich sage natürlich ein Teil. Das ist immer eine Niefe. Aber es ist da und wir entwickeln auch immer wieder neue Sachen. Und das freut mich, weil es auch gute Sachen dabei entwickeln. Im Moment sehe ich eigentlich keine Gefahr, dass die Firma jetzt die nächsten zehn Jahre nicht auch überlebt. Vielleicht überlebt es sogar mal Richter. Also von der Produktion her. Der Richter mit seinem Baukastentier entwickelt hat. Es ist ganz wesentlich, man muss die Gründe erkennen, warum hat sich das alles so explosionsartig vermehrt. Warum war dieser Erfolg so groß? Es war auf der einen Seite, dass er eben dieses System verbessert hat. Auf der anderen Seite war er meines Wissens, zwar in den USA gab es sowas schon, aber in Deutschland noch gar nicht, er ist einer der Ersten, die versuchen, einen Kundenstamm aufzubauen. Das hat er versucht zu erreichen durch, was damals was völlig Neues war, einen Versandkatalog. Also was wir noch von Quäle und Otto kennen, das gab es damals nicht. Er hat das entwickelt. Das heißt, da gab es einen kleinen Katalog. Den hat er vielen auch gratis zugesandt. Da waren dann die ganzen Systeme drin und in Farbe. Damals war aber alles kurz weiß und diese Versandkataloge mit diesen Farben, das war natürlich nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene sehr attraktiv. Das heißt, er hat gleich das neue System ausprobiert. Das Post-Check-Konto ist damals aufgekommen. Die Eisenbahn war ja inzwischen auch überall vorhanden. Das heißt, über dieses Eisenbahnsystem und dieses Kontosystem konnten die Leute dann ganz bequem über diesen Katalog bestellen und sich dann die Sachen nach Hause liefern lassen. Das war damals etwas völlig Neues. Und das war einer der Erfolge. Dann hat er, was heute ja normal ist, er hat immer Sachen entwickelt, die man zusätzlich erwerben musste zu den Kästen, wenn man die so schön gestalten wollte, wie sie auf diesen Seiten drauf waren. Ganz, ganz refiniert war die Sache auf der letzten Seite von diesen Hälften. Diese Bauhefte lagen ja immer bei. Auf der letzten Seite gemeinerweise ein Bau, der ist viel schöner als die anderen vorher. Wenn Sie aber genau lesen, ja, den kannst du bauen, wenn du schönartig bist und dein Papa dir zu Weihnachten dann den nächsten Ergänzungskasten fängt. Okay, und das war natürlich im nächsten Ende wieder. Das heißt, der Wunsch war immer geweckt. klar, da gibt es ja noch was Besseres. Und dann gab es mit einmal auch Ausstellungsteile, so wie Turmspitzen, Gitter, Fenster, Figuren. War alles natürlich auf diesen Vorlagenblättern drauf, musste aber alles extra kaufen. Und das war natürlich auch so ein Trick von ihm, um Kunden zu binden und zu halten. Dann war auch so eine tolle Strategie von ihm, Man konnte mit dem kleinsten Baukasten anfangen und mit der Zeit sich durch diese Ergänzungskasten hocharbeiten. Und dieses ganze System, selbst wenn du vom kleinsten, die hochgearbeitet hast, hat nicht mehr insgesamt gekostet, als wenn du gleich den großen Kasten gekauft hast. Das heißt, er hat es gleich so. Wie bei Merkel. Genau. Metallbaukasten. Ja. Er hat das als Erster eben so entwickelt, ihr braucht keine Angst zu haben, ihr könnt klein einsteigen, zahlt aber nicht mehr Geld, als wenn jemand ein reiches gleich in großen Kassen kauft. Und das war natürlich auch ein toller Punkt für ihn. Dann hat er, was natürlich auch unglaublich gut ankam, das gab die Leipziger Illustriere Zeitung. Das war eine Zeitung, die war sehr verbreitet in Deutschland, großformatisch solche Blätter. Die waren natürlich schwarz-weiß. Dann hat er in seiner Fabrik Druckbögen vordrucken lassen. Die hat er dann dorthin geschickt. Die waren aber farbig. Das muss man sich vorstellen, Anfang Dezember oder Ende November machen die Erwachsenen und die Kinder Blättern in der Zeitung. Mit einer ist dann eine Farbseite drin. Also schlimmer geht es gar nicht. Da kommst du gar nicht dann vorbei. Und das hat natürlich auch wieder einen neuen Stub gegeben für ihn. Und so hat er halt im Gegensatz zu den E-Interhalts, er hat halt immer aktiv was gemacht. Er hat sich immer wieder was ausgedacht. Wie kann ich die Kunden noch besser binden? Wie kann ich was Neues rausbringen? Er hat die Systeme auch immer wieder komplett neu erfunden. Das heißt, ein altes System war dann beendet. Er hat dann neue Vorlagenblätter drucken lassen für noch modernere Gebäude, die dann noch attraktiver waren. Man konnte aber von diesem alten System einen Übergangskasten kaufen, der dann in dieses neue System übergeführt hat. Das heißt, du hast dein Geld halt nicht rausgeworfen, sondern du hast dann eben diesen Übergangskasten kaufen können und dann warst du wieder in diesem neuen System drin. Und so hat er diese Systeme immer mehr und mehr verbessert. Aber es gab eben auch Konkurrenten wie die Kellers. Die haben mit einmal 1888, ja, irgend sowas rum, haben die mit einmal neben den Steinen einen Brückenbaukasten rausgebracht. Der hatte Metallteile. Das heißt, die Biederlager waren aus Stein, die Brücken aber aus Metall. Was sich einfach daraus ergab, bei den Eisenbahnen, Das war ja damals das Verkehrsmittel, das im Ausbau war. Die Lokomotiven, die sind ja alle zehn Jahre, haben die ihre Leistung verdoppelt, verdreifacht. Die Gewicht natürlich auch. Das heißt, sie mussten dann ständig die Brünge abreißen, die alten, weil sie für die neuen nicht mehr belastbar waren. Und dann mussten sie immer wieder neue bauen. Und irgendwann war es so weit, mit den Steinbögen kommen sie nicht weit. Und dann kam eben Stahl. Und das war halt die Möglichkeit, große Weiten zu überbrücken mit Stahlbrücken, die natürlich aus Metall waren. Und die Kellers haben das aufgegriffen und haben dann eben diese Eisenbahnbrücken mit Steinwiderlagern und Stahlbrückenteilen eben rausgebracht. Richter hat wieder getobt, weil die haben sich gut verkauft. Ich habe gesagt, so, den zeige ich es. Dann hat er einen eigenen Brückenkasten ausgebaut, aber natürlich viel größer und viel voluminöser, und natürlich auch viel teurer als sie. Und das war dieses Teil hier. Also da können Sie auch über verschiedene kleinen Kästen bis zu diesem großen Kasten hinkommen. So, und sieht das alles jetzt noch peichlich aus, aber damals war das eben Hightech. Also diese Widerlage aus Stein, die Brückenelemente selbst aus Stahl, Das war die klassische Eisenbahnbrücke. Ja, natürlich, wir sind wieder in einem Bereich. Diese Brücke, wenn Sie den Kasten gekauft haben, hat um die 80 Mark gekostet. Genau das Richtige für ein Arbeiterkind. Das war also wieder natürlich nur für die. Ein weiterer Punkt von ihm, und das ist auch ein ganz wesentlicher, er hat nicht nur auf Kinder abgezählt. Sie hören ja an, 80 Mark. Okay, es gab natürlich Kinder, die haben das bekommen. Die meisten aber natürlich nicht. Diese 80 Mark wurden von den Erwachsenen investiert, weil die Männer wollten selber damit spielen. Wir kennen diesen alten Witz, wo der Vater sein, die Märklin-Bahn baut und der Sohn darf nur zuschauen, wie er fasst mal hin. Das ist mein, der darf gucken, aber spielen tue ich. Das ist so der erste, der Richter war so der Erste, der das erkannt hat. Die Erwachsenen, die sind ein ganz großer Markt und den möchte ich eben auch haben. Und dadurch hat er eben dieses teure Spielzeug auch hergestellt. Der ganz große Steinbaukasten, der wog zum Beispiel 80 Kilo. Ja, genau das Richtige, dass ein Kind in ihm herflappt. Das war dann genau das. Aber das war eben, die Abwachsenen waren total begeistert. Und was kam? Natürlich ein Steinbaukastenverein. Das heißt, konnten sich alle Abwachsenen da eintragen, konnten dann an Bauwettbewerben teilnehmen. Und wenn sie gut und artig waren und auch ein bisschen Krips hatten, dann konnten sie aufteigen vom Lehrling zum Gesellen, zum Meister, zum Obermeister und zum Ehrenmeister. Es wurde dann immer bewertet und die Erwachsenen waren begeistert und haben natürlich alterlich mitgemacht. Und wer war einer der Jurymitglieder von diesem Verein, der die bewerten sollte? Das war Professor Walter Grubius. Der war also auch ein großer Fan von den Baukästen und der hat bei dieser Jury eben diese Bewertung mitgemacht. Und meine Tante, kommt noch vom Bauhaus Weimar, der wurde in den 50er Jahren noch gesagt, Leute, baut mit den Angriffsteinbaukästen, dann lernt ihr erstmal so die Statikwässer von der Architektur. Also das ist so das Fundament bis dahin gewesen. Also eben nicht nur Spielzeug, sondern eben durchaus seriös eingesetzt. Ja, und der Kropus hat dann auch selber noch einen Baukasten entworfen, den kann man nachher noch sehen. Also man sieht, es ging durch alle Fichten durch. Und jetzt haben wir diese Brücke gesehen. Jetzt soll ich eben, ich kann mir mal zeigen hier, diese 80-Kilo-Kästen. Also das war dann der größte Kasten, den man kaufen konnte. Kostet ja auch nur 110 Mark. Also auch wieder nichts. Also ich sage mal, ich würde sagen, ein Ei hat zwei Pfennige gekostet. Und bei einem Arbeiter, da war nicht am Ende des Monats noch 50 Pfennig übrig. Das war halt alles weg. Oder wenn, dann mal 5 Pfennig. Das heißt, wenn es der Papa mal ganz gut gemeint hat und viel gespart hat, dann hat so ein Kind normales Holzbaukasten bekommen. Aber die Baukästen, die fangen halt bei 50 Pfennigen an, 75 Pfennigen. Das war von schwer. Klar, hat ein Arbeiterkind ab und zu mal sowas bekommen, aber es war ja die Ausnahme, es war einfach vom Geld gar nicht möglich. Also das war dann diese Kästen. Ich habe ihm vorhin gesagt, er hatte auch in diesen anderen Bereichen diese Untermittelchen. Angefangen hatte er damit hier mit seinem Pain-as-Peller, der zum Einreiben war. Es soll eigentlich auch gegen Euma und Muskelverzahung ganz gut geholfen haben, habe ich mir erzählen lassen, zumindest nicht geschadet. Das war damals schon was Großartiges. Er hat dann aber auch andere Bereiche aufgegriffen. Er hat Süßigkeiten hergestellt, ich habe immer so verfiedene Boxen, die er hergestellt hat, Lebkuchen. Und er hat auch viele hergestellt. Es gab in China ein Mahjong, hieß das. Das ist so eine Art Domino. Das hat er auch übernommen. Also er hat immer versucht, möglichst viel breitfächig aufzustellen sich, damit, wenn ein Bereich nicht mehr so läuft, dass er auf andere ausweichen kann. Und er hat halt auch immer das Allerneueste mit aufgenommen. Er hat immer geguckt, was kann man noch verbessern. Es gab kein Jahr, wo er nicht irgendwas Neues rausgebracht hatte. Und es war eben auch einer seiner Erfolgspunkte, dass er nie eigentlich sich auf den Hosenboden gesetzt hat, sondern immer geguckt hat, ich muss immer das Neueste vom Neuesten haben. Und hat damit natürlich dann auch immer Erfolg. Jetzt gehen wir mal in den nächsten Raum. Also hier hat es irgendwo so ein Verkaufsraum, da waren dann so viele Produkte gezeigt von Ihnen. Ja, die kommen gleich ab. Ich glaube, das hat höchstwahrsteine. Also es ist nicht hundertprozentig nachgelesen. Aber dieses andere Systementwickler, man sieht ja, dass die Steine viel größer sind. Man konnte damit schneller bauen. Das sind auch ganz andere Motive. Also das sind vor allen Dingen Fabrikgebäude, große Jugendstilvillen. Das sind ganz andere Themen als bei den anderen Bereichen. Also auch die Farbe, dieses Grün, das so ein bisschen Kupfer zeigen sollte. Also das vom ganzen System her war das schon etwas anders.
Besucherin • 35:54
Ich wollte noch mal fragen, habe ich draußen vergessen, was hat es mit dem Zeppelin auf sich? Das ist einfach nur so ein Dekostück jetzt.
Tobias • 36:01
Das ist jetzt nicht von eben. Nee. Also das ist halt ein Replikat aus der Zeit von 1905, wo diese Brücke eben entstanden ist. Aber also Figuren hat hergestellt, da kommen wir gleich noch dazu, aber diesen Zettelchen, den habe ich jetzt einfach.
Besucherin • 36:19
Ja, das passt super dazu.
Tobias • 36:26
Ich bin mal auf einen anderen erfolgreichen Bereich gekommen, Geduldspiele. Das ist bei uns heute nicht ganz nachvollziehbar, aber man muss sich ja vorstellen, die Zeit, es gab kein Radio um 1900, Fernsehen gab es sowieso nicht. Das heißt, die Leute haben halt in den Winterabenden irgendeine Beschäftigung gebraucht. Und da waren diese Geduldsspiele der totaler Renner. Das heißt, du konntest Figuren nachlegen, die du mit diesen Steinen nachlegen musstest. Da musst du immer komplett so einen Satz nehmen für eine Figur. Und Sie sehen hier, das ist gar nicht so einfach. Also man muss schon viel Zeit investieren. Aber das war halt bei den Leuten sehr beliebt und das war auch eine erfolgreiche Serie von Richter, die auch sie sehr verbreitet hatte. Richter hat nicht nur in Deutschland am Anfang diese Fabrik gehabt. Das System ist natürlich so gigantisch gut gelaufen, dass schon bald andere Länder auch diese Baukästen haben wollten. Das hat sich sehr schnell herumgesprochen. Er hat in Holland dann eine Fabrik gegründet in der Schweiz. Dann ging es rüber nach Amerika und nach Russland. In St. Petersburg hat er auch noch eine Fabrik gehabt. Das heißt, er hatte eigentlich damals alles, was im Bürgerturm so bewohnt wurde, das hat er eigentlich alles abgedeckt. Das heißt, er war flächendeckend und so was heute, weil die Kinder unter Lego kennen, es gab kein Kind, das den Ankersteinbaukasten nicht kannte. Jeder kannte diesen Anker. Und dieser Anker ist eben auch einer dieser Punkte, der der Richter zum Erfolg verhelfen hat. Ich habe Ihnen vorhin erzählt, den Anker habe ich mir gemerkt bei dem Flohmarkt. Der ist auch rot und groß und das sticht sofort ins Auge. Und genau das wollte er erreichen. Die Leute sollten Ankerprodukte kaufen. Überall auf der Welt war sein Firmenzeichen der Anker. Und so hat jeder leicht erkennen können, okay, das ist ein Qualitätsprodukt von Richter. Und das war wirklich neben den anderen Bereichen dieses Symbolisieren der Sache und damit die Qualitätserkennung, das war auch so ein Punkt, den er mitentwickelt hat. Ich fange es mal ein, in den USA gab es das auch schon, aber das hat er am Anfang gar nicht gekannt. Er hat in Deutschland dieses System als Erster so rausgebracht mit den Ergänzungskästen, mit den Katalogen, mit den Firmenzeichen, sodass er eigentlich schon der Anfang von dieser Werbung ist, die ja gar nicht gut gelaufen ist. Andere haben es dann natürlich kopiert, ganz klar. Und das macht halt seinen Unterschied aus zu Liniental, die sowas eben nicht erkannt haben. So ganz kurz nochmal eine weitere tragische Geschichte von den Linientals. Die haben es dann sein lassen, haben dann lange Zeit nichts gemacht im Spielzeugbereich. Irgendwann hat der Gustav gesagt, es gibt jetzt so viele Industriebauten, die mit Stahl gemacht werden. irgendwie muss ich da mal was entwickeln. Dann hat er einen Baukasten entwickelt, das waren Holzlatten mit Löchern drin. Und zwar nicht Metall, aber Holzlatten mit Löchern drin und die können sie verschieden mit Klammern dann verbinden. Und dieses System haben sie herausgebracht, weil sie eben keine guten Vermarkter waren, auch nicht gut verkauft. Dann hat aber ein Engländer, Frank Hornby, das gesehen, dieses System und war begeistert, hat das Ganze in Metall rausgebracht und hat das unter Mekano 1901 rausgebracht. Und der nächste Milliardär war geboren, aber nicht die Linientals, sondern der Hornby. Es ist tragisch, ja, aber es ist halt so, nur weil man halt was Gutes erfunden hat, heißt es noch nicht, dass man damit Geld verdient. Also so haben die Lientals eigentlich den Bauspielmarkt über 80 Jahre lang behärft, ohne einen einzigen Markt zu verdienen. Der Frank Hornby hat dieses Meccano rausgebracht, weil sie vorhin von den Werklinbaukästen gesprochen haben. Darf ich nur kurz einfügen. Meccano war dann auch weltweit bekannt, wurde überall vertrieben. Und er hat dann einen Federmotor, einen Uhrwerkmotor gebraucht, um die Modelle antreiben zu können, damit die beweglich werden. Und da ist er auf Märklin gekommen, weil die ja Eisenbahn hergestellt haben. Die haben dann einen Uhrwerkmotor für ihn entwickelt. Der ist dann integriert worden in das System. Und so, und dann kommt der Erste Weltkrieg. Dann hat Märklin natürlich seine Fonds erkannt. Alle feindlichen Auslandspatente sind nicht mehr gültig. Also da haben sie einfach seinen Becano weiter kopiert. Also sie haben es dann selber kopiert mit dem Uhrwerkmotor. Und das hat Märklin damals nach dem Krieg auch das Leben gerettet, weil Deutschland war im Ersten Weltkrieg bekanntlich der Verlierer und zu Recht auch als einer der Aggressoren bekannt. Und da war deutsches Spielzeug im Ausland nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr besonders belebt. Und auch Märklin hat, wie viele andere Firmen, waren kurz vorm Aufhören oder Insolvenz. Aber die Metallbaukasten, die haben eben das Leben gerettet. Die haben in Deutschland dadurch, dass sie diese Metallbaukasten verkaufen konnten, haben sie sich über Wasser halten können. Frank Hornby hat gesehen, dass sie dieses System in Deutschland kopieren und vertreiben. Und was hat er gemacht? Er hat gesagt, dieser kleine Markt, das interessiert ihn nicht. ich lass die einfach machen. Das war weltweit gesehen für ihn, zu klein. Sonst wäre das für Märklin auch nicht ganz so schön ausgegangen. Und so hat dann Märklin über diese Metallbalkasten sich retten können und dann kommen wir jetzt aber auch auf einen Punkt. Der erste Weltkrieg, Hier haben wir ein, das war jetzt nach seinem Tod, Lichter ist 2010 gestorben. Er hatte noch einige Projekte laufen, die dann auch verwirklicht wurden. Und ich habe ihm gesagt, er hat ständig in der Fabrik was verbessert, ein neues Thema rausgebracht. Dann kam halt der erste Weltkrieg und dann hat sein Sön gesagt, Da bringt man so einen Baukasten raus, der die heutige Zeit wiedergibt, nämlich so einen Kasten, wie die Soldaten erleben mussten in den Stützengräben und in Verdun. Diese Festungen wurden dann nachgebaut, war auch relativ erfolgreich und das klingt jetzt ungewöhnlich. Besonders in den USA hat sich der gut verkauft, weil die USA waren ja am Anfang neutral. Die sind ja erst 1916 eingetreten. Bis dahin hat sich der Kasten auch in den USA sehr gut verkauft. Danach hat er sich auch gut verkauft, aber das war nicht nur in richters Hand, weil die USA haben die Firma requiriert. Die haben sie dann übernommen und wurde dann unter dortigen Leitern weitergeführt. In St. Petersburg ist nach dem Krieg, nachdem ja auch in Russland alles drunter und drüber ging, wurde die Firma eben auch enteignet. Das heißt, die Kinder von Richtern haben damals schon große Probleme gehabt, dass eben vieles sich geändert hatte. Dazu kam, dass die Söhne nie richtig von ihm, das war halt damals üblich, nie richtig involviert wurden. Also er hat halt Ideen gehabt oder hat Ideen entwickeln lassen und hat das halt durchgeführt. Und diese Söhne haben das halt abgenickt. Und das war halt nachher das Problem, wo er weg war, dass es dann mit der Firma nicht so weiter ging, wie er das hätte haben wollen. Er hatte schon erkannt, dass der Metallbaukasten kommt und hat ein eigenes System entwickeln lassen, den Imperator, bescheiden wir wahr, für ein Stecksystem. Das hatte er als Antwort auf den Metallbaukasten. Aber dieses System war nicht ganz so gut, wie das von Mekano. Durch die Verschraubung bei Merkel und Meccano sind die Modelle viel stabiler gewesen. Da konnte man auch größere Sachen bauen. Das hat sich nicht durchgesetzt. Ich sage natürlich, hätte er noch gelebt, dann hätte er schon ein anderes System geleggett. Seine Kinder haben es dann einfach aufgegeben. Die haben einfach die Steinbaukasten weiterproduziert. Und jetzt kommt halt auf ein Problem, dass die, jetzt sage ich mal ganz rotzfrech, die Autoindustrie heute in Deutschland auch hat. Wenn Sie ewig an einem alten System festhalten, geht es eine Weile gut. Aber dann ist mit einmal der Abbruch der Käufe sehr immens. Bis zum Ersten Weltkrieg haben sich die Steinbaukasten gut verkauft. Dann kamen diese Metallbaukasten nach dem Krieg eben Märklin. Die Kinder wollten halt dann diese Märklinbaukasten, nicht mal die Steinbaukasten. Die Söhne haben halt einfach weiter die Baukasten produziert. Die Zahlen gingen rapide runter. dann kam die Inflation dazu ihr ganzes Barvermögen das sie auf den Banken hatten war mit einmal nichts mehr wert diese Enteignungen die ich ihm gerade gesehen habe dann gab es auch noch Streit innerhalb der Familie Richter hatte sieben Kinder aus erster Ehe seine Frau starb 1901 er heiratete ein halbes Jahr später wieder, hatte zwei Kinder mit der zweiten Frau. Die zweite Frau war so alt wie seine Kinder. Es gab natürlich nach seinem Tod große Umarmungen. Wir sind eine große Familie, ironisch natürlich. Es gab riesen Kraft. Die alte Familie wollte mit der jungen Familie nichts zu tun haben. Dann wurde ein Teil durch den Streit auch ein Teil verkauft von der Firma und ausgerechnet sein neuer Goldesel wurde verkauft, nämlich die elektrische Plattenaufnahme. Dazu möchte ich jetzt nur ein von den. Er hatte von 19 angefangen, ein neues Standbein aufzubauen, nämlich Musikapparate. Er hat erkannt, okay, die Zeit ist so, die Leute wollen sich auch musikalisch unterhalten. Rado gab es ja noch nicht. Das heißt, die ersten Musikwerke kamen auf, die ersten Edison-Walsen, das waren so Grammophone, wo sie eben so Walzen austauschen konnten. Es wurde immer beliebter. Und dann hat er gesagt, in dieses Geschäft muss er einsteigen. Wie immer hat er halt von erkannt, wie es weitergeht. und hat dann eine Musikapparate entwickeln lassen. Dann kamen diese Fehlackplatten. Da hat er sofort ein ganz tolles Gerät entwickeln lassen. Da konnten sie die Platte auflegen und der Arm ist selber dann auch die Platte. Das war natürlich das Allerteilste. Hat auch nur 165 Mark gekostet. Aber es war halt das Beste wieder mal vom Besten. Er wollte immer das Beste haben und das Beste verkaufen. Und dazu hat er auch das Patent für die elektrische Plattenaufnahme gekauft, weil er wusste, okay, das ist ein Goldesel. Seine Kinder haben das aber nicht erkannt. Nach seinem Tod haben sie das Patent an die deutsche Grammophon gekauft. Die haben sich natürlich gefreut. Und damit war dieses Kapitel auch zu Ende. Das heißt, ich kann halt nur sagen, hätte er weitergelebt, dann hätte er heute die Firma ganz sicher nicht mehr unter den Anker auf deinen Baukasten zu tun gehören, sondern eben wegen den tollen Musikapparaten. Das wäre dann so der nächste Schritt gewesen. Er hatte schon die Baukästen, hat er schon noch weiter in seinem Programm gesehen, aber er wollte das eigentlich mehr so ein bisschen beiseite und dann mit den Musikapparaten jetzt anfangen. Aber wie gesagt, die Kinder haben das halt nicht erkannt. Und alle diese Gründe, die ich Ihnen gerade gesagt habe, diese Konkurrenz durch die neuen Baukassensysteme, die Enteignungen, der Krieg, der Freude untereinander, die Inflation, das hat leider geführt, dass er vom ersten deutschen Spielzeugproduzent, aber damals war sein Tod der vermögensliche Spielzeugproduzent Deutschlands, ins betreuungslose Abtick. Also 1925 war die Firma schon eine von Hunderten, die es überhaupt noch gab. Und es war so bedeutungslos, dass sie das verkaufen mussten an einen neuen Eigner. Der hat das noch eine Weile weitergeführt. Es gab auch damals immer noch Fans von den Angriff-Weinberg-Kassen, ganz klar. Das hat natürlich nicht gleich aufgehört. Und das ging auch so in den 30er Jahren noch so einigermaßen noch über die Bühne. Und jetzt kommen wir auf die letzte Vitrine. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Firma an den Rudolfstadt. Und die Rudolfstadt war nach dem Zweiten Weltkrieg, war das bekanntlich dann in der DDR. Die DDR hat versucht, ein bisschen Geld draus zu machen. Also Westen in Niesen waren halt immer sehr begehrt. Man versuchte immer, da was anzubinden. Und hat dann diese Baukasten weiter produziert und in den Westen verkauft. Es gab also bis in die 60er Jahre hier in Westdeutschland Filialen, die diese DDR-Ankaufsteinbaukästen verkauft haben. Endgültig Schluss war dann eigentlich, als dann Lego aufkam. Da war es dann vorbei. Das war dann so Ende der 50er Jahre, fing das langsam an. Und 1963 war das so unbedeutend, dass die in den Westen kaum noch was verkauft haben. Und dann mussten sie das ganze System einstellen. Die DDR hat noch versucht, so ein bisschen eigene Kästen auch rauszubringen. Ja, ich sage nicht immer, so die allerführendsten. In der DDR wurden ja viele moderne Gebäude hochgezogen, Hochhäuser, so Blocks halt auch. Und so einen Kästen haben sie natürlich auch rausgebracht, aber der ist natürlich gigantisch gut angekommen. Die DDR hat auch versucht, da Einfluss zu nehmen. Also da gab es dann auch Baupioniere und unser Kader, die das und das bauen. Aber das ist bei den Kindern nicht so richtig gut angekommen. Das war dann halt sehr marginal. Und da im Westen eben Lego, dann endgültig den Markt. Merkel war ja auch da. Diese Lego-Sachen machten dann mit einmal auch den Merkel-Bauketten-Konkurrent. Dann haben sie dann 1961 aufgegeben. Jeder Anker-Baukasten, dem wurde angeboten, er kann so viele Steine rausnehmen, wie er tragen kann. Aus der Fabrik haben wir einige auch gemacht. Der Rest von den Steinen, der wurde einfach hin und der Fabrik dann abgetötet. Und das war dann eigentlich das Ende von der Firma Richter, auch wenn es so lange kein Richter mehr war. Und als ich angefangen habe, eben 1990, habe ich das gar nicht gekannt, dieses System. Und als eben 1995 diese neue Firma kam, deswegen war ich da skeptisch. Und ja, es ist für mich mein so kleines HPN, dass es diese Firma heute wieder gibt. Und dass das eben auch seine Fans wieder hat. Ja, es ist eigentlich so ein groben, es gäbe viel zu erzählen. Das ist halt so ein grob die Geschichte von dem Herrn Richter. Ich sehe ihn heute natürlich nicht als Heiligen, aber er war für seine Zeit damals, 1880, 1890 rum, ein vorbildlicher, wie ich finde, der Arbeitgeber. Das heißt, er hat überdurchschnittliche Löhne gezahlt, 20 Prozent überlohnt sonst. Die Arbeiter konnten, wenn sie ein Haus bauten, ihnen kostenlosen kredit bekommen konnten bei ihnen krankungen und rennen versichern das war dann ist alles nicht üblich auf der anderen seite klar er hat wenn er einen wenn jemand besuchen wollte nur in frau und zu 100 gegen nix also hat dann schon wertgelegt wenn er besucht wird das war halt einfach die Zeit. Wir sind bis heute kritisch, aber das haben halt viele gemacht. Das ist die Imperatorzeit, sage ich, die Gründerzeit. Fast jeder hat sich so benommen. Das ist für uns heute alles ein bisschen merkwürdig, aber das war halt damals normal. Und deswegen sehe ich ihn heute aber eher positiv, weil er eben vieles auch erreicht hat. Er hat dieses Spielzeug wirklich weltweit bekannt gemacht. Es haben viele Kinder wirklich dann zu spüren, auch wenn es halt ihr Bürgertum war. Und er hat dazu beigetragen, dass die Kinder auch wieder oder ein bisschen mehr Kinder sein konnten, nicht wieder, sondern erstmals nicht eher allein, aber das ist halt einer dieser Bausteine dazu. Und das macht ihn halt für mich jetzt eben nicht mehr zu diesem skrupellosen Unternehmer, der die Digital-Teile übers Ohr gehauen hat, sondern eben einen, der immer erkannt hat, was Gutes ist, egal, im Spielzeugbereich oder hier, wo der Musiker war, das forciert weiterentwickelt hat, nie Ruhe gegeben hat, sich nie hingesetzt hat und gesagt hat, ja, jetzt ist es okay. Und das sind für mich Punkte, die mir schon auch sehr imponiert haben. Also ich sehe ihn halt viel einiges, was ihm nicht so gut ist, aber auch vieles, wo ich sage, toller Mann.
Besucherin • 55:55
Visionär.
Tobias • 55:56
Ja, ich würde schon sagen, dass er eben im Gegensatz zu anderen oft gleicherkannt hat, was gut ist, egal in welchem Bereich. Ja, das war jetzt so die Führung. Ich habe versucht ein bisschen was zu ihm zu sagen. Fragen gerne. Kann ich nicht gerne noch was zu sagen. Diese Angebautenkästen waren für mich faszinierend, weil diese Geschichte eben auch dahinter steckt. neben dem Sammeln. Natürlich habe ich versucht, alle Systeme zu bekommen. Ganz klar, als Sammler ist das so die Basis. Aber das andere hat mich halt eben genauso fasziniert. Und auch bei diesen anderen deutschen Systemen ist es für mich genauso, dass eben hinter dem System oft viele Ideen, manchmal eben auch Tragödien, dahinter stecken. Aber so einen ganz schönen Teil der deutschen Gründerzeitgeschichte wiederkriegelt. Man kann da ganz schön viel ausfinden aus der Zeit.
Marek • 57:06
Ja, so eine Geschichte.
Tobias • 57:08
Okay. Vielen Dank.
Marek • 57:13
Vielen Dank. Großartig berichtet und erzählend. Danke.
Besucher • 57:18
Das war eigentlich ein Lieblingskasten. Also wirklich einen, wo du sagst, wenn ich den jetzt noch frei ins Wohnzimmer stellen könnte und nicht den Platz hätte. Ich habe jetzt ganz vergessen, die Konkurrenz zu erwähnen. Wir haben jetzt nochmal runtergehen.
Tobias • 57:32
Teil 2 kommt jetzt? Ja, aber jetzt hat sich der Richter natürlich gefreut. Ja, ja, kommt die Konkurrenz, die ist ja nichts hier. Aber so ganz blind, wir haben jetzt nochmal runtergehen. Also hier haben wir den Lillenthal und hier dieses zweite, also dieses System, das sie dann 1884 auf den Markt gebracht haben. Also als sie gemerkt haben, Richter macht damit ein Bombingeschäft. Und das ist jetzt einer von den Kästen, die die Lillenthal dann als Antwort rausgebracht haben, bis eben zwei Jahre später ihnen das verboten wurde. Und auch da, muss ich auch sagen, haben sie toll gemacht. Also teinteilige Bögen, also anders wie bei Richter, sind aber nicht einfach zu bauen. Also für kleine Kinder nicht ganz so einfach. Also mit seinen konnte man besser anfangen. Aber klar, auch mit einem eigenen System, gar nicht schlecht. Sie haben auch so Holzlatten als Verstärkung oder als Überbrückung mit dabei. Also die haben das so ein bisschen gemischt. Und da gab es auch verschiedene Größen. Und sie haben ihn auch ganz gut angekommen. Also sie haben in England 1884 schon mal 3000 Kästen verkauft. Das war es mal gar nicht schlecht. Aber das, wie gesagt, sie hatten halt unterstrichen, diese Spielzeug nicht mehr herzustellen. So, jetzt die Paul und die Keller, wo ich schon gesagt habe, dass die das sehr genau verfolgt haben. Die haben eben dann diese Kästen ausgebracht. Und was mir bei den Kellern so gut gefällt, sind die Deckeletiketten. Also ich war von diesem, wo ich den das erste Mal gesehen habe, die ganze Welt wirklich spielt zusammen. Nämlich vom Chinesen über den, damals war es der Indianer, über den Weißen und den, damals haben wir eben gesagt, Neger. Also ich finde die Symbolik toll, dass alle Kinder aus allen Nationen sich zusammensetzen und zusammenspielen. Ein tolles Thema. Und sie haben eben nicht diesen Steinbaukasten allein entwickelt, sondern eben, wie ich Ihnen vorhin sagte, diese Metallbaukasten dazu. Und da war jetzt diese Brooklyn Bridge in New York entstanden. Und die haben sie als Modell bei einem Wettbewerb auch ausgestellt. Und die haben in Länge von drei Metern. Und als der Richter eben diese Fotos gesehen hat, da hat er es mal getobt. Das war natürlich was völlig Neues. Also sie waren ein tolles Team, die beiden, und haben sich auch viel einfallen lassen. Und eben, also das Dreißigste fand er natürlich, dass sie einen Eisenergänzungskasten ausbrachten, für jedes System verwendbar. Das heißt, auch ein Anbaukastenfreund konnte dann mit diesem Ergänzungsmetallbaukasten seine Anbaukasten dann erweitern. Und das fand er natürlich eine absolute Unverschämtheit, wie die sich in sein Geschäft einmischen. Und haben damit eben auch Erfolg gehabt. Und deswegen hat er da mit auch geantwortet mit dem großen System.
Besucherin • 01:00:59
Die passen tatsächlich drei Meter Länge, wenn man das...
Tobias • 01:01:02
Das ist jetzt nicht. Also das war ein Ausstellungsstück. Das konnte man auch nicht kaufen. Aber sie haben einfach gezeigt, okay, wenn du jetzt viel, viel Geld hast und dir viele Käste kaufst, dann hätten aus den Bauteilen diese Brooklyn Bridge drei Meter. Also die Brücken, die man aus den Kassen machen kann, die sind so 80 Zentimeter. Aber das war auch von, vor allem, es war was ganz Neues. Das hatte er eben nicht. Ja, dann haben natürlich auch andere darauf reagiert. Manche haben das dann versucht, so figurativ anzudrechen, diesen Gartenbaukasten, die diese Gartenelemente drin hatten. Und die natürlich auch als Ergänzung gedacht waren. Das heißt, sie konnten sie dann vor so ein Steinfarkt in die Villa stellen. ganz zufällig ja hier auch. Dann löst die man nicht ein. Der hat versucht, das Handicap ist halt, dass sie die Sachen nicht wegstellen können. Also sie müssen halt bauen da, wo sie gebaut haben und da steht das Ding. Und die haben hier so Nuten und so Schiebeelemente. Das heißt, man konnte diese Teile zusammenstecken und dann eben auch transportieren. War eine nette Idee, kam aber viel zu spät. Ich glaube, wann war der 1900? Ja, 1909, da fing das schon an mit den Metallbaukästen. Auch andere, ein Kölner hat dann diesen Themenbaukasten rausgebracht, der dann eben so die gute alte Mittelalterzeit zeigen sollte. Also es gab eben so verschiedene Anklänge. Dann hat die Firma Bing, die Firma Bing, das war eine Firma, die hat eigentlich, war einer der größten Fabrikanten der Welt, die Gebrüder Bing. Die haben alles, die Hände gehalten. Also vom Kochtopf über Metallherde, Autos also alles was sie sich eigentlich stellen können und die haben auch so eine Spielzeitabteilung gehabt und die haben dann auch ihren eigenen Steinbaukasten rausgebracht, aber auch viel zu spät, das war eben auch schon in der Zeit, wo die Steinbaukasten am absinken waren und eben die Metallbaukasten schon am steigen, aber Sie sehen, die haben teilweise das ist jetzt nur ein mittelgroßer Kasten den wir hier ausstellen, es gab noch viele größere. Wobei ich da, Herr Lüder, und da freut sich wieder Richter, die größeren Kasten enthalten keine anderen Elemente als die kleineren Kasten. Bei Richter wird es immer feiner und deswegen finde ich die großen Bauten auch nicht so viel schöner als die kleinen, die man bei Bingen bauen konnte. Bei Richter, da wird es halt immer differenzierter, die Balkone, die Sissel hier oben, das wird halt immer feiner. Und das ist halt bei Bingen jetzt nicht der Fall. Wir sehen hier zwei Originalzeichnungen von Richter. Das sind Baukästen, die sind nicht mehr rausgekommen. Das war die nächste Stufe, die er vorhatte zu bauen, mit Metalldächern hier, damit man die schneller bauen konnte. Ist aber nicht mehr erschienen. Diese Zeigungen sind von 1909 und 1910. Und er ist ja dann gestorben und dann wurde das auch nicht mehr weitergeführt. Und dann haben wir hier noch einen Baukasten. Den haben wir sehr, sehr lange besucht. Und es war immer schon meine Seelsucht, der Marmer und Alabaster Baukasten. Ein Konkurrent, der 1886 auf den Markt kam. Und der war auch noch zufällig, ich komme aus Baden-Baden, zufällig liegt nicht weiter von entfernen, also aus dem Raum. Ich habe einen kleinen Baukasten mal bekommen können. Da gab es eben auch verschiedene Abstufungen, wenn Sie das nachher durchlesen, so verschiedene Preistregimente. Ich habe da mal einen kleinen Baukasten bekommen können, war hin und weg natürlich. Er war auch eher für Frauen gedacht, damit die, ja, Diese Art Gestaltung ist ja von den Farben her recht einfach, aber natürlich sehr attraktiv. Und da gab es eben auch verschiedene Kästen. Und das Problem war, diese Kästen sind nur ein Jahr hergestellt worden. Und die waren extrem teuer. Die waren viel teurer als die von Richtern. Warum? Diese ganzen einzelnen Steine sind per Hand geschliffen worden. Und das machte sie so teuer, auch wenn Arbeitskräfte damals sehr billig waren. Trotzdem, der Aufwand war riesig. Sie waren sehr teuer. Und was ich erst später gemerkt habe, man konnte nicht sehr gut damit bauen. Sie müssen sich vorstellen, jeder handgefliffene Stein hat eine kleine, kleine Differenz zu einem anderen Stein. Beim kleinen Bau spielt es keine Rolle, ob das mit einem Zehntel Millimeter mehr ist oder nicht. Bei einem Bau, wo Sie tausend Steine haben, ist das eine Katastrophe. Das heißt, da müssen Sie dann überall ein bisschen Papier drunter machen oder Karton. Sie müssen bei jedem Stein dann wieder was dazwischenlegen, damit die Ebene wieder stimmt. Das ist wahnsinnig aufwendig. Bei den kleinen Baukasten kein Problem, bei den großen, je größer die Kästen werden, desto schwieriger wird es. Also toll gedacht. Sie wollten natürlich ihn damit übertrumpfen, aber das System hat sich vom Preis und vom Bauen her nicht bewährt und ist eben dann nach einem Jahr wieder verschwunden. Und ich habe natürlich ewig, ewig nach dem großen Kasten gesucht. Ich habe also hier den mittelgroßen bekommen können und war dann nachher, haben gesagt, als erstes musste ich den großen Bau machen. Und da waren wir natürlich dann nachher ganz enttäuft, als ich merkte, oh, der ist aber nicht toll zu bauen. Da war mir natürlich auch klar, warum der so selten ist. Ja, okay. Also man sieht halt, die Konkurrenz war da, aber entweder hat er, wie bei den Kellers, dann das noch besser gemacht, wenn er es gesehen hat, oder die Qualität war dann doch nicht ganz so gut wie bei ihm. Deswegen hat er auch nie wirklich Konkurrenz bei diesem Spielzeug gehabt.
Besucher • 01:07:59
Keller nehme ich an, die haben genau dieselben drei Kunstfahrten verwendet.
Tobias • 01:08:03
Genau.
Besucher • 01:08:03
Aber Bing, wie ist es da?
Tobias • 01:08:05
Auch. Das sieht auch irgendwie so ein bisschen... Sie haben ein bisschen andere Farben genommen, aber das System ist das gleiche. Eins, zwei, eins. Das war ja nicht geschützt. Jeder konnte das übernehmen. Und das haben natürlich im Ausland auch viele dann gemacht. aber es hat ihn eigentlich immer an der letzten entscheidenden Idee gefehlt, wie es halt Richter hatte. Und dieses ganze ausgelotete mit Hobby für Erwachsene, Ergänzungskästen, Anreizen, neue größere Kästen noch dazu zu kaufen, das hat so ein bisschen der Konkurrenz gefehlt. Bing hat es zwar versucht, aber viel zu spät. Da war das dann schon lange vorbei. Von daher hat er eigentlich, er hat sich zwar immer sehr aufgeregt, er hat auch viele Announcen aufhören, gegen kaufen Sie ja nicht minderwertige Konkurrenzprodukte. Das war ganz wichtig. Aber es war natürlich so, diese minderwertigen Konkurrenzprodukte, wobei die natürlich vom Keller jetzt nicht minderwertig waren, die waren auch ähnlich gut. Aber sie war natürlich billiger als seine. Und da musste er natürlich dagegenhalten.
Besucher • 01:09:19
Nur echt mit der Marke Anker, wie rumsteht.
Tobias • 01:09:22
Sehr gut konditioniert. Klar. So, jetzt bin ich aber endgültig durch. Aber gut, dass du das jetzt mal darauf hinkommst. Wie gesagt, Richter hätte es mich gefreut. Die Konkurrenz brauchen wir gar nicht jetzt erwähnen. Aber trotzdem muss es sein. Danke. Danke an dich.
Besucher • 01:09:41
Vielen Dank. Ja.
Amalie • 01:10:26
CULTURA – Kulturgespräche. Der Podcast von Forum Cultura. Improvisation am Nachmittag Marek Haas auf dem historischen Grotrian-Steinweg-Flügel aus dem Jahr 1898 im Museum Schlosspark in Bad Kreuznach.