Ausstellung im Museum Schlosspark

Begegnen Sie im Puricelli-Salon dem Künstler Christian Mieves

07.06.2026 - 26.07.2026

Welch ein Zufall.

Eigentlich wollten wir nur das sommerlich schöne Wetter im Schlosspark genießen. Ein strahlend blauer Himmel, dramatisch schöne Wolken und Vögel, die um die Wette zwitscherten. Was kann einen mehr dazu bewegen, die sonntägliche Sofaruhe zu umgehen?

Es war wirklich eine kleine Fügung, dass wir uns so kurzfristig entschlossen hatten, an einen unserer Lieblingsorte in Bad Kreuznach zu gehen und die Natur vor der Haustür zu genießen.

Kaum hatten wir die Schwelle am kleinen Tor beim Zwingel überschritten, war im Park bereits rege Bewegung. Auf den Wiesen saßen Familien und Freunde beisammen, Kinder spielten, Gespräche lagen in der Luft. Welch ein herrliches Bild – fast wie ein impressionistisches Gemälde.

Je näher wir dem Museum Schlosspark kamen, desto deutlicher wurde: Hier ist heute etwas los. Wir hörten Musik, das große Tor war weit geöffnet und sogleich blickten uns zwei strahlende Gesichter entgegen.

Die Museumsleitung am heiligen Sonntag höchstselbst begrüßte uns zur Vernissage „Überall ist Mitte“.

Uff – das hatten wir gar nicht auf dem Schirm.

Umso mehr freuten wir uns über diesen glücklichen Zufall, genau in diesem Moment vor Ort zu sein. Nichts wie rein also, um der Eröffnung durch den Künstler Christian Mieves aufmerksam zu lauschen.

Im Gespräch mit Stefanie Schmeink, Vorsitzende des BBK Rheinland-Pfalz, und Museumsleiter Marco van Bel wurden die Zuhörer sofort eingenommen von der natürlichen, sympathischen Aura des Malers.

Christian Mieves sprach über die Suche nach einer Mitte, über Ankerpunkte, vage Schatten, Wahrnehmung und die Frage, was wir in seinen Bildern eigentlich sehen. Oder vielleicht auch nicht sehen. Was erkenne ich? Was sehe ich selbst? Soll hier überhaupt etwas dargestellt werden – oder entsteht der eigentliche Zugang erst in mir?

Wunderbar fanden wir den Gedanken, dass seine Bilder vor Beginn der Arbeit keinen Titel tragen. Sie entwickeln sich während des Malens, werden unterbrochen, neu bewertet, vielleicht teilweise wieder übermalt. Und irgendwann kommt diese elementare Entscheidung: Das Bild ist fertig.

Nach der Eröffnung ließen wir uns einfach treiben.

Wir betrachteten die Bilder, näherten uns ihnen vorsichtig, gingen wieder auf Abstand und kamen miteinander ins Gespräch. Alles wirkte sehr stimmungsabhängig und intuitiv. Besonders bemerkenswert war für uns, dass sich je nach Position und Entfernung veränderte, was wir zu sehen glaubten. Pinselstriche, Formen und Flächen verschoben ihren Interpretationsspielraum beinahe mit jedem Schritt.

Ein kleiner Moment ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.

In einem kleineren Bild, das ich bereits während der Eröffnung auf mich wirken ließ, sah ich einen Kometen und einen Stern über einem Gebäude. Ganz klar: die Heilige Nacht – zumindest in meiner Vorstellung.

Später stand ich direkt vor dem Bild.

Plötzlich saß dort ein Mensch dynamisch auf einem Fahrrad.

Der Titel selbst erzählte wiederum eine ganz andere Geschichte: „Lautloses Leben“

Genau solche Momente machten den Besuch für uns so spannend. Wir hatten großen Spaß daran, uns gegenseitig unsere Wahrnehmungen und die daraus entstehenden Figuren zu schildern. Vielleicht liegt darin auch ein Teil der berühmten Frage: Was will der Künstler uns mit seinen Bildern sagen?

Oder vielleicht noch schöner gefragt: Was lösen diese Bilder in uns aus?

Wir erlebten die Begegnung mit expressiver Malerei, mit dem Duft von Ölfarbe, mit dynamischen Pinselführungen und dem optischen Fühlen einzelner Farbschichten – mal dick, mal dünner aufgetragen. Alles blieb offen, beweglich und auf eine sehr eigene Weise lebendig.

Für uns war es ein bemerkenswerter Sonntagnachmittag. Umso besonderer, weil wir eher zufällig in diese Vernissage hineingeraten sind und sie ganz unmittelbar auf uns wirken lassen konnten.

Wir werden die Ausstellung unbedingt noch einmal besuchen. Vielleicht nehmen wir die Kunstwerke dann noch einmal völlig anders wahr.

Wie schön, dass das Museum Schlosspark mit Künstlern wie Christian Mieves immer wieder neue Perspektiven nach Bad Kreuznach bringt. Und ein großer Applaus an alle Beteiligten, die diese Bildwelten mit so viel Gespür inszeniert und möglich gemacht haben.

Wer mehr über den Künstler und die Ausstellung erfahren möchte, findet nachfolgend den offiziellen Ausstellungstext.

Text: Silvia Sperlich

Bilder in Bewegung

Zwischen Farbe, Form und Intuition entstehen Bildwelten, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Je länger wir hinschauen, desto mehr beginnt sich unsere eigene Wahrnehmung zu verändern.

Fotos: Michel Sperlich

Hintergrund zur Ausstellung

Quelle und Autor
Der folgende Ausstellungstext wurde uns vom Museum Schlosspark Bad Kreuznach freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Autor des Textes ist Christian Mieves.

Überall ist Mitte

Malerei, Christian Mieves

07.06.2026 - 26.07.2026 im Museum Schlosspark Bad Kreuznach

Neue Ausstellung im Puricelli-Salon

Die Ausstellung „Überall ist Mitte“ beschäftigt sich mit Malerei und wie wir Dinge wahrnehmen. Es geht um Themen wie Abwesenheit, Abstand und darum, was wir sehen oder nicht verstehen. In einer Zeit, in der alles schnell und direkt erlebbar ist, fragt der Künstler Christian Mieves, was es bedeutet, unsere Sicht auf die Welt neu zu überdenken und andere Wege des Verstehens zu finden.

Christian Mieves studierte in Mainz, lebt seit über 20 Jahren in England und ist Maler und Dozent an der Universität Newcastle upon Tyne. Nach seinem Studium des Kommunikationsdesigns mit Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule Mainz erhielt er das Britische Stipendium des Arts and Humanities Research Council (AHRC). 2009 schloss er seine Doktorarbeit ab und lehrt heute als Associate Professor für Malerei in Newcastle. Darüber hinaus hat er zahlreiche Publikationen zur zeitgenössischen Kunst veröffentlicht und sich insbesondere mit Fragen der Sichtbarkeit, Bildentstehung und künstlerischen Prozesshaftigkeit auseinandergesetzt. Seit über 20 Jahren werden seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen in Großbritannien, Spanien, Mexico, Schweiz und Deutschland präsentiert.

Der Titel der Ausstellung „Überall ist Mitte“ bezieht sich auf den Philosophen Giordano Bruno (1548–1600). Er vertrat die Auffassung, dass das Universum unendlich ist und kein festes Zentrum und keinen festen Rand besitzt. Diese Idee greift Mieves in seiner Malerei auf. Er zeigt, dass unsere Wahrnehmung offen und veränderlich ist. Besonders wichtig werden dabei Dinge, die unklar, unbekannt oder nur am Rand angedeutet werden. Die Malerei wird hier als ein produktiver Prozess des Verschwindens verstanden. Gleichzeitig wird die Vorstellung von einem festen Mittelpunkt hinterfragt. Abstrakte Malerei hilft dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und zu hinterfragen, was gesehen wird, wie es gesehen wird und was absichtlich unlesbar bleibt.

Kontakt
Christian Mieves
E-Mail: mievi@gmx.de
Web: https://mieves.info/
Inst: @christian_mieves

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