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Museum Römerhalle in Bad Kreuznach ...

Durch die Zeit

Noch ganz in Gedanken bei unseren Eindrücken aus dem Museum Schlosspark schlendern wir weiter durch den Park. Vorbei am kleinen See sind wir eigentlich schon dabei, den Schlosspark langsam wieder zu verlassen. Doch plötzlich bleibt unser Blick hängen.

Am Rande des Sees sitzt ein Graureiher und beobachtet uns aufmerksam. Fast wirkt es für einen kurzen Moment so, als wolle er fragen: „Hat es Euch gefallen?“

Oh ja — das hat es.

Und so zieht uns die Neugier wieder weiter. Denn nur wenige Schritte entfernt wartet eine völlig andere Welt auf uns. Eine Welt, die noch viel weiter zurückliegt.

Wir verlassen den Schlosspark, blicken links auf die ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Ritterguts Bangert und gehen rechter Hand am PuK vorbei. Auch über das Museum für PuppentheaterKultur werden wir zu gegebener Zeit noch erzählen. Doch heute widmen wir uns ganz der Aura längst vergangener Zeiten.

Und dann steht sie vor uns: die Römerhalle.

Kaum zu glauben, dass sich hier zwei der bedeutendsten römischen Mosaikfunde nördlich der Alpen befinden.

Mit Oceanus auf Zeitreise

Folgen Sie dem Meeresgott des berühmten Mosaiks durch das römische Bad Kreuznach und lauschen Sie seinen Erinnerungen.

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Die Römerhalle

Doch treten wir erst einmal ein.

Bereits der Eingangsbereich überrascht uns. Begrüßt werden wir von einer Familie lebensgroßer historischer Figuren, die sich beinahe nahtlos in die ländliche Szenerie einer römischen Landschaft einfügen.

Auf der rechten Seite stehen mächtige Grabsteine und steinerne Zeugnisse vergangener Leben.

Links das Leben — rechts die Erinnerung.

Eine ungewöhnliche Empfangsszene, die sofort neugierig macht.

Auch hier werden wir freundlich empfangen. Mit unserem Kombiticket erhalten wir nur noch einen Stempel — und dann öffnet sich die eigentliche Ausstellung.

Obwohl wir beide die Römerhalle bereits mehrfach besucht haben, fasziniert uns der Raum immer wieder aufs Neue.

Wir halten inne und schauen nach oben.

Offenes Gebälk, Rundbogenfenster und warme Backsteinwände verleihen der ehemaligen Scheune des Ritterguts Bangert eine ganz besondere Atmosphäre. Alles wirkt schlicht gehalten — und gerade deshalb entsteht diese beeindruckende Wirkung.

Nichts lenkt von den antiken Funden ab.
Hier scheint alles genau den richtigen Platz gefunden zu haben.

Mitten im Raum fallen sofort die beiden großen Vertiefungen ins Auge. Schon jetzt ahnt man, dass sich dort die eigentlichen Hauptattraktionen der Römerhalle befinden:
das Gladiatoren-Mosaik und das Oceanus-Mosaik.

Cruciniacum

Ehe wir uns den beiden Mosaikböden widmen, lassen wir zunächst den übrigen Teil der Ausstellung auf uns wirken.

Entlang der Seitenbereiche entdecken wir immer neue Funde aus dem damaligen Cruciniacum — dem römischen Bad Kreuznach.

Wir bleiben vor Grabsteinen stehen, betrachten fein gearbeitete Gesichter und versuchen die alten Inschriften zu entziffern. Kaum vorstellbar, dass diese Menschen vor fast zweitausend Jahren genau hier gelebt haben.

Antike Glaskunst, Keramiken und Alltagsgegenstände geben uns immer wieder kleine Einblicke in das Leben der Menschen.

Wie mag ihr Alltag wohl ausgesehen haben? Was hat sie beschäftigt? Worüber haben sie gesprochen, wenn sie am Abend nach Hause kamen?

Je länger wir durch die Ausstellung gehen, desto mehr werden aus archäologischen Funden plötzlich Menschen mit eigenen Geschichten.

Die Gladiatoren

Unsere Runde durch das Erdgeschoss endet schließlich an einem der beiden berühmten Mosaikböden: dem Gladiatoren-Mosaik.

Fasziniert betrachten wir die unzähligen kleinen Steinchen, die sich zu einem monumentalen Bild zusammenfügen.

Vor unseren Augen entstehen Szenen eines antiken Amphitheaters: Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen. Bewaffnete Kämpfer treten gegeneinander an, wilde Tiere erscheinen in den Szenen und jede Darstellung scheint Teil einer genau durchdachten Erzählung zu sein.

Wir sehen uns an und stellen uns die Frage: Haben Menschen damals tatsächlich Freude daran empfunden, anderen beim Kämpfen und Sterben zuzusehen? Vermutlich ja.

Gerade diese Mischung aus Faszination und Irritation macht das Mosaik so eindrucksvoll.

Besonders gelungen finden wir, wie die Römerhalle diese Thematik vermittelt. Digitale Infoboxen, Rekonstruktionen und ergänzende Informationen helfen dabei, die damalige Welt besser zu verstehen, ohne sie zu verklären.

Sogar eine moderne Gladiatorenschule hat auf dem Außengelände der Römerhalle die dargestellten Kampfszenen, Waffen und Gladiatorenklassen nachgestellt.

Natürlich bleibt der Hintergrund dieser Spiele brutal. Und dennoch entsteht hier ein bemerkenswert lebendiger Zugang zur antiken Welt.

Unter dem Boden

Doch das eigentliche Staunen beginnt für uns fast erst danach.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie fasziniert ich bereits als Kind bei einem Schulausflug auf diesen Ort reagiert habe. Und erstaunlicherweise hat die Römerhalle bis heute nichts von dieser Wirkung verloren.

Am beeindruckendsten fand ich damals die römische Fußbodenheizung. Und ehrlich gesagt: heute noch genauso.

Über eine kleine Wendeltreppe gelangen wir unter die Mosaikböden. Dort eröffnet sich ein Blick auf ein ausgeklügeltes System aus kleinen Säulen, Hohlräumen und Heizkanälen: Antike High-Tech.

Kaum zu glauben, wie durchdacht, effizient und technisch fortschrittlich die Römer bereits geplant haben.

Schautafeln entlang des Rundgangs vertiefen zusätzlich das Wissen über Architektur, Alltag und Bauweise der römischen Villa.

Und während wir immer wieder zwischen den alten Säulen hindurchblicken, kommen wir angeregt ins Philosophieren.

Oh, wie aufregend und unglaublich spannend Geschichte doch sein kann.

Oceanus

Doch je länger wir uns mit dem Gladiatoren-Mosaik beschäftigen, umso stärker zieht uns der zweite Boden in seinen Bann.

Und dann stehen wir plötzlich davor – welch ein Anblick.

Der Meeresgott Oceanus prangt in einer Apsis über der gesamten dargestellten Welt – beinahe so, als würde er über alles herrschen, was sich unter ihm entfaltet.

Hafenanlagen, Fische, Schiffe, Markt- und Handelsszenen werden sichtbar. Überall entdecken wir kleine Details, die sich erst nach und nach erschließen.

Wir treten näher heran und je länger wir darauf blicken, desto lebendiger wirkt dieser Boden auf uns.

Plötzlich entdecken wir den Künstler selbst. Der Mosaizist – das Wort kannte ich zuvor noch gar nicht – hat sich innerhalb seines Werkes verewigen dürfen. Ein stiller Gruß über fast zwei Jahrtausende hinweg.

In der Mitte des Bodens wird zudem ein Wasserspiel angedeutet. Fast meint man, Bewegung in den Steinbildern zu erkennen.

Und es wird uns erneut bewusst: Dieses Kunstwerk wurde vor beinahe 1800 Jahren geschaffen. Welch ein Privileg, es heute noch bestaunen zu können. Unfassbar.

Besonders spannend finden wir die vielen kleinen Hinweise und Erläuterungen rund um den Boden und seine Ausgrabung. Je mehr wir lesen, desto mehr beginnt sich das Mosaik vor unseren Augen zu entfalten.

Fast scheint es, als würde Oceanus die Besucher seit Jahrhunderten still beobachten.

Die römische Villa

Erst beim Blick auf das Modell der römischen Villa beginnen wir langsam zu verstehen, wie gewaltig diese Anlage einst gewesen sein muss.

Innenhöfe, Badebereiche und weitläufige Räume erstreckten sich über ein erstaunlich großes Gelände.

Draußen, zwischen den freigelegten Grundmauern, wird uns immer deutlicher:

Hier stand einst nicht nur ein Gebäude.

Hier befand sich eine ganz eigene Welt.

Wir gehen langsam entlang der alten Mauern und versuchen uns vorzustellen, wie dieser Ort damals gewirkt haben muss — voller Menschen, Stimmen, Gerüchen und Leben.

Kaum vorstellbar, dass von dieser prachtvollen Anlage über viele Jahrhunderte hinweg nichts mehr sichtbar war. Und wunderbar, dass sie entdeckt und ausgegraben wurde.

Während wir entlang der Mauern gehen, lassen wir unserer Phantasie freien Lauf. Gladiatoren trainieren, ein Festmahl wird zubereitet, Wasser aus dem Brunnen geschöpft, Wein in einen kunstvollen Glaskelch gegossen ...

Auf der Empore

Im oberen Bereich der Römerhalle richtet sich der Blick schließlich noch einmal auf das damalige Cruciniacum selbst — auf die römische Siedlung, das Kastell und das Leben der Menschen in der Region.

Modelle, Zeichnungen und Fundstücke ergänzen die Eindrücke aus der Villa und zeigen, wie stark die Römer Bad Kreuznach bis heute geprägt haben.

Von hier oben fügt sich vieles noch einmal für uns zusammen. Unsere Eindrücke von den Mosaiken, der gewaltigen Villa und den freigelegten Außenanlagen wirken noch nach.

Je länger wir darüber nachdenken, desto faszinierender erscheint uns diese vergangene Welt.

Sichtbar machen

Je länger wir durch die Römerhalle wandeln, umso mehr verliert die Antike ihren abstrakten Charakter.

Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke dieses Ortes.

Wir verlassen die Römerhalle mit dem Gefühl, nicht nur Ausstellungsstücke gesehen zu haben, sondern Menschen begegnet zu sein – auch wenn zwischen ihnen und uns beinahe zwei Jahrtausende liegen.

Folgen Sie mit uns den antiken Spuren Bad Kreuznachs.

Text: Silvia Sperlich · Fotos: Walter P. Lhotzky

Meereswelt im Oceanus‑Mosaik

Die antike römische Villa

Leben in Cruciniacum

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