Der Blick hinter die Vitrine - wie Museumsfotografie Geschichte sichtbar macht

In dieser Folge von „CULTURA. Kulturgespräche" treffen wir Fotografenmeister Walter P. Lhotzky im Museum Schlosspark Bad Kreuznach. Seit rund zehn Jahren dokumentiert er dort und in der Römerhalle historische Zeichnungen, Stiche, Gemälde und archäologische Fundstücke.

Walter erzählt von der besonderen Sorgfalt, die der Umgang mit jahrhundertealten Originalen verlangt, von anspruchsvollen Reproduktionen und virtuellen Rundgängen, die vergangene Ausstellungen dauerhaft bewahren. Dabei berichtet er auch von überraschenden Entdeckungen im Depot -- darunter ein wertvolles Picasso-Ausstellungsplakat.

Das Gespräch führt zu römischen Fluchtäfelchen, seltenen Glasobjekten und eindrucksvollen Bodenmosaiken. Eine Folge über verborgene Museumsschätze, die Menschen hinter den historischen Objekten und die Frage, wie Fotografie kulturelles Erbe sichtbar, erforschbar und zugänglich macht.

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CULTURA #06 Transcript

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CULTURA. Kulturgespräche. Der Podcast von Forum Cultura.

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Musik

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Der Blick hinter die Vitrine, wie Museumsfotografie Geschichte sichtbar macht.

00:00:29.730 --> 00:00:29.980
Musik

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Schlosspark in Bad Kreuznach. Vor uns ein Stativ, mehrere Lichtquellen und auf einem Tisch ein

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Dokument, das sehr, sehr alt ist. Hinter der Kamera steht Walter P. Lhotzky, Fotografenmeister.

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Seit vielen Jahren dokumentiert er die Schätze der Museen. Heute schauen wir ihm dabei über die Schulter.

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Was fotografierst du denn aktuell für die Museen?

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Ich reproduziere gerade eine Menge Stiche, Radierungen, Zeichnungen und so weiter, die hier im Depot in Schubladen liegen, die man sonst nicht sieht, damit die auch etwas zugänglicher werden für wissenschaftliche Arbeit und so weiter.

00:01:31.100 --> 00:01:36.720
Also ich mache das jetzt nicht für Faximiles oder Nachdrucke, sondern rein für Dokumentationen.

00:01:37.740 --> 00:01:42.400
Aber wenn wir jetzt hier durch die Räume gehen, was passiert eigentlich gerade hinter den Kulissen?

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Ja, alles mögliche. Überall wird gewuselt, auch wenn man das nicht sieht.

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Es werden Ausstellungen vorbereitet, es werden Ankäufe geprüft, es wird geguckt, wie man Räume anders gestalten kann, optimieren kann.

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viel Technisches, allein das Licht ist sehr anspruchsvoll.

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Die relative Abdunklung der Räume ist ein großes Problem,

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damit nicht so viel Sonnenlicht reinfällt, aber die Leute noch was sehen

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und die Ausstellungsstücke nicht irgendwie darunter leiden.

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Die meisten Besucher sehen fertige Ausstellungen.

00:02:23.800 --> 00:02:27.500
Du siehst oft ganz andere Bereiche. Was macht diesen Blick besonders?

00:02:28.180 --> 00:02:36.560
Ja, ich sehe es ja oft im Vorfeld, wenn für Plakate und so weiter Ausstellungsstücke gedruckt werden, dann weiß man schon mal so ungefähr, was kommt.

00:02:37.610 --> 00:02:47.060
Und es ist spannend und besonders, wenn es dann fertig ist, sieht man, es hat sich mal wieder gelohnt und hoffentlich kommen die Leute.

00:02:49.780 --> 00:02:53.960
Seit wann arbeitest du denn für das Museum Schlosspark und die Römerhalle?

00:02:54.160 --> 00:02:57.560
Seit etwa zehn Jahren arbeiten wir zusammen.

00:02:58.620 --> 00:03:00.160
Wie hat die Zusammenarbeit begonnen?

00:03:00.420 --> 00:03:11.020
Ja, ich bin auf die zugegangen, weil ich erstelle ja auch diese interaktiven Panorama-Rundgänge für Architekten, für Gastronomie und für alles Mögliche.

00:03:11.580 --> 00:03:20.520
Und da ist mir irgendwann die Idee gekommen, diese temporären Ausstellungen, die ein Museum ja hat, die Sonderausstellungen, wenn die abgebaut sind, sind sie weg.

00:03:20.680 --> 00:03:24.380
Da ist das Räumliche nicht mehr irgendwie nachzuvollziehen.

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Normale Fotos werden natürlich meistens gemacht, aber da kann man dann immer noch durchwandeln und Details anschauen, reinzoomen, die Raumwirkung erkennen, zum Teil sogar mit Geräuschen und was man immer da noch reinbringen will.

00:03:41.440 --> 00:03:47.700
Und das wurde von der Museumsleitung angenommen und das haben wir jetzt schon für viele Ausstellungen gemacht.

00:03:48.200 --> 00:03:51.300
Und so sind die für die relative Ewigkeit erhalten.

00:03:52.760 --> 00:03:55.060
Was gehört denn noch alles zu deinen Aufgaben hier?

00:03:55.400 --> 00:03:59.640
Ja, eigentlich alles Mögliche zu fotografieren, also auch neue Objekte.

00:04:00.200 --> 00:04:04.140
Wir haben jetzt zum Beispiel mal, wurde ein wertvolles Aquarell angekauft,

00:04:05.840 --> 00:04:14.180
Was natürlich ein Original mag es nicht, in einem Raum, der von Sonne beleuchtet wird, zu hängen.

00:04:14.840 --> 00:04:17.220
Und das dürfte ich dann reproduzieren.

00:04:18.040 --> 00:04:23.060
Und auf einem speziellen Papier, das ist praktisch vom Original nicht zu unterscheiden.

00:04:23.340 --> 00:04:25.420
Und das ist dann natürlich sehr anspruchsvoll.

00:04:26.220 --> 00:04:32.260
Des Weiteren alle möglichen Räume für Veröffentlichung und Katalogisierung.

00:04:32.740 --> 00:04:39.120
Es ist sehr interessant, auch Veranstaltungen, für die Werbung, weil hier kann man ja auch Räume mieten.

00:04:39.500 --> 00:04:42.520
Und das muss man natürlich entsprechend zeigen.

00:04:42.880 --> 00:04:43.400
Ja, klar.

00:04:46.100 --> 00:04:50.300
Was unterscheidet eigentlich die Fotografie im Museum von anderen Aufträgen?

00:04:52.160 --> 00:04:56.620
Ganz wichtig ist die Objektivität.

00:04:57.180 --> 00:05:03.680
während ich bei Produkten von meinen anderen normalen Kunden

00:05:04.820 --> 00:05:08.980
die Produkte oft aufwerten muss optisch,

00:05:09.480 --> 00:05:14.040
geht es hier mehr darum, es Produkte wirklich so zu zeigen, wie es ist,

00:05:14.280 --> 00:05:17.620
auch mit Fehlern oder mit Schwächen und so weiter.

00:05:18.920 --> 00:05:22.180
Das heißt aber nicht, dass man hier nicht auch kreativ sein muss

00:05:23.360 --> 00:05:26.600
und man überlegen muss, wie stellt man es jetzt am besten da,

00:05:26.820 --> 00:05:31.260
Gerade in einem Zusammenhang mit Raum und Vitrinen und Fenster und so weiter.

00:05:32.200 --> 00:05:37.460
Aber es geht hier in erster Linie darum, das Museumobjektiv zu zeigen.

00:05:37.980 --> 00:05:42.600
Ja, klar. Gibt es Objekte, die hier besonders schwierig zu fotografieren sind?

00:05:42.960 --> 00:05:48.920
Ja, auf jeden Fall. Bei dunklen Ölgemälden immer ganz problematisch.

00:05:49.140 --> 00:05:51.180
So etwas kann man eigentlich nur im Studio machen.

00:05:51.700 --> 00:05:55.800
Habe ich auch schon einiges mitbekommen, wo ich dann im Studio fotografiert habe.

00:05:56.080 --> 00:06:02.200
ich sag mal Laborbedingungen. Das lässt sich hier kaum machen, weil hier überall Licht ist oder

00:06:02.480 --> 00:06:11.980
störende Lampen oder andere Einflüsse, die Reproduktion unmöglich machen. So anspruchsvollen

00:06:12.500 --> 00:06:20.000
Teilen. Worauf musst du achten, wenn du um hysterische Stücke geht? Ja, ganz klar: Vorsicht,

00:06:20.060 --> 00:06:27.220
Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht. Handschuhe, schwebender Gang, dass man nicht stolpert.

00:06:28.580 --> 00:06:37.020
Also wenn ich die Glasobjekte in der Römerhalle, die haben wir von einem Eck in die ganz andere Ecke getragen.

00:06:37.940 --> 00:06:41.240
Ich glaube, ich bin noch nie so vorsichtig mit irgendwas umgegangen.

00:06:41.400 --> 00:06:43.700
Selbst mit meinen Schallplatten gehe ich nicht so vorsichtig.

00:06:47.920 --> 00:06:53.980
Du fotografierst ja zurzeit die Handschriften aus der Sammlung. Was genau sehen wir denn hier gerade?

00:06:54.800 --> 00:07:07.320
Ja, hier sehen wir, wie kreativ das Kreuznach und Umgebung schon war, was hier für helle Köpfe schon vor Jahrhunderten gearbeitet haben.

00:07:09.420 --> 00:07:18.780
Und was die gezeigt haben, ist manchmal schön, weil es manchmal ganz belanglose Dinge sind.

00:07:19.150 --> 00:07:28.240
Ein Waldweg, ein Holzstamm, Stapel, Baumstämme, eine Gartenzaune, Bank oder sonst was.

00:07:28.590 --> 00:07:35.300
Man hat damals schon an so kleinen Dingen irgendwie auch Schönheit gesehen, was mich eigentlich wundert,

00:07:35.540 --> 00:07:41.820
weil in der Zeit ging es den Leuten ja nicht so toll und trotzdem hat man einen Blick dafür gehabt.

00:07:42.710 --> 00:07:57.480
Auch bei Landschaftsstichen, Bildern oder Zeichnungen sind oft am Rand so kleine Szenen von Leuten dargestellt.

00:07:57.490 --> 00:08:03.039
Wenn man da mal am Rechner das Bild ganz groß macht und schaut, was da geschieht,

00:08:03.920 --> 00:08:06.440
Das ist fast noch spannender als das ganze Bild.

00:08:09.960 --> 00:08:12.140
Wie alt sind denn diese Dokumente ungefähr?

00:08:12.140 --> 00:08:16.600
Ja, also ich habe hier auch schon aus dem 17. Jahrhundert Teile gehabt.

00:08:16.780 --> 00:08:19.580
Also 1600 noch was, das waren so die ältesten.

00:08:19.920 --> 00:08:25.880
Und da geht man natürlich mit noch mehr Ehrfurcht dran als mit dem Bild aus dem 19. Jahrhundert,

00:08:26.180 --> 00:08:28.460
wobei das natürlich denselben Respekt verdient.

00:08:28.940 --> 00:08:29.220
Ja klar.

00:08:30.240 --> 00:08:33.440
Und warum fotografiert das Museum jetzt gerade diese Handschriften?

00:08:33.940 --> 00:08:42.280
Ja, damit für wissenschaftliche Arbeiten die Bilder einfach einfacher verfügbar sind.

00:08:44.140 --> 00:08:48.200
Die sind ja hier eingelagert in Mappen und in Schubladen, in Schränken.

00:08:48.320 --> 00:08:55.340
Und wenn jetzt jemand kommt und sich über irgendeinen bestimmten Maler oder einer der Ratierungen und Stiche hergestellt hat,

00:08:56.600 --> 00:09:01.880
informieren will und forschen will, der kann jetzt ganz einfach das am Rechner tun,

00:09:02.340 --> 00:09:07.000
ohne die Originale in die Hände neben eine Tasse Kaffee zu nehmen.

00:09:07.420 --> 00:09:09.840
Ja, was wahrscheinlich auch sicherer ist.

00:09:10.660 --> 00:09:14.480
Entdeckt man dabei auch manchmal Dinge, die man vorher kaum wahrgenommen hat?

00:09:15.440 --> 00:09:21.320
Es ist spannend. Wir hatten eine große Mappe gehabt, da haben wir auch einzelne Amande,

00:09:21.480 --> 00:09:26.980
habe ich fotografiert und auf einmal ist mir aufgefallen, das war irgendein Ausstellungsplakat

00:09:27.140 --> 00:09:33.320
aus den 50er Jahren und da stand irgendwo Pablo Picasso.

00:09:34.120 --> 00:09:41.180
Und dann war das ein, wie gesagt, ein Plakat, ich glaube von 52, was mittlerweile,

00:09:41.780 --> 00:09:47.700
auch wenn es nicht handsigniert ist oder von ihm gemalt ist, sondern nur ein Druck ist,

00:09:48.120 --> 00:09:50.480
trotzdem einen vierstelligen Wert hat.

00:09:50.740 --> 00:09:52.540
Und das war eine Überraschung für das Museum.

00:09:53.040 --> 00:09:53.900
Ja, das glaube ich.

00:09:56.280 --> 00:09:59.420
Gibt es ein Stück, das sich besonders beeindruckt hat?

00:10:00.000 --> 00:10:06.600
Ja, das sind ja gerade diese Kleinigkeiten, die man in den Bildern findet,

00:10:06.840 --> 00:10:10.760
wo man erst mal nicht mit rechnet, sondern erst, wenn man das Bild genauer anschaut,

00:10:11.780 --> 00:10:16.940
beziehungsweise auch manche fast fotorealistische Darstellungen von Menschen,

00:10:17.200 --> 00:10:20.600
wo jedes Haar wahnsinnig gemalt ist.

00:10:22.260 --> 00:10:26.900
Das ist irre, was da schon abgebildet wurde in der Zeit.

00:10:27.160 --> 00:10:28.600
In welcher Schärfe auch.

00:10:29.640 --> 00:10:33.400
Wenn man sich das überlegt, dass das auf eine Metallplatte geritzt wurde und so weiter,

00:10:33.620 --> 00:10:34.620
das kann man sich gar nicht vorstellen.

00:10:36.000 --> 00:10:39.280
Du hast ja in den letzten Jahren unzählige Objekte vor der Kamera gehabt.

00:10:39.840 --> 00:10:42.580
Welche Stücke bleiben dir da besonders in Erinnerung?

00:10:43.080 --> 00:10:51.960
Bei Fotos in den Vitrinen in der Römerhalle sind ganz unscheinbare grau-schwarze Metallplättchen zu sehen.

00:10:52.940 --> 00:10:54.480
Das sind Fluchtafeln.

00:10:55.420 --> 00:11:02.020
Da konnte man, hat man vor 2000 Jahren irgendeinen Mensch verflucht und dieses Täfelchen,

00:11:02.180 --> 00:11:07.980
was auch immer, irgendwo in einem Tempel oder was abgelegt und dann gehofft, dass der Fluch auch in Erfüllung geht.

00:11:08.480 --> 00:11:12.940
Es ist schon fast multimedial, wenn man sich das überlegt, was da geschehen ist.

00:11:13.180 --> 00:11:18.340
natürlich nicht unbedingt zum Guten, aber vielleicht wurde die Fluchtäfel schon ja auch zum Guten verwandt,

00:11:18.380 --> 00:11:21.680
dass irgendein Segen drauf war oder ein Wunsch.

00:11:22.560 --> 00:11:24.840
Man muss nicht immer vom Schlechten ausgehen.

00:11:26.280 --> 00:11:31.720
Und das sind ganz unscheinbare Dinge und man sieht, da hat ein Mensch da reingekratzt in diese Bleiplatte,

00:11:32.720 --> 00:11:35.560
Handschrift und da ist man dieser Zeit ganz nah.

00:11:38.660 --> 00:11:41.480
Was würden viele Besucher im Museum vielleicht übersehen?

00:11:41.600 --> 00:11:44.720
zum Beispiel diese Fluchtafen, was gibt es vielleicht noch?

00:11:45.330 --> 00:11:49.240
Ja, da gibt es sicher einiges, weil man hat ja gar nicht die Zeit,

00:11:49.510 --> 00:11:54.620
ein Museum jetzt an einem Stück wirklich bis ins Detail zu erforschen.

00:11:54.720 --> 00:12:00.060
Man kann da nur schwergewichtig manche Themen angehen.

00:12:01.080 --> 00:12:06.380
Und wenn man dann das Glück hat, auch mal nachfragen zu können,

00:12:07.340 --> 00:12:08.980
da erfährt man schon noch einiges.

00:12:09.440 --> 00:12:15.800
Aber da muss man schon aktiv werden und auch mal ein Stück von hinten sich angucken,

00:12:15.980 --> 00:12:21.180
soweit das geht bei den Grabsteinen und Stählen und so weiter in der Römerhalle.

00:12:21.910 --> 00:12:25.540
Ganz besonders sind es natürlich die Mosaiken, die Bodenmosaiken.

00:12:26.920 --> 00:12:33.140
Was da für Informationen drauf erhalten sind, schließt sich am Amateurpublikum nicht.

00:12:33.140 --> 00:12:37.999
Da muss man schon ein bisschen in der römischen Geschichte und auch die Schrift und Latein

00:12:38.020 --> 00:12:40.060
und so weiter kennen und da entdeckt man

00:12:40.220 --> 00:12:41.640
wirklich Dinge, das glaubt man nicht.

00:12:42.860 --> 00:12:43.820
Mir wurde das auch nur

00:12:43.980 --> 00:12:45.960
im Rahmen der Arbeit erklärt, ich bin

00:12:46.160 --> 00:12:46.940
kein Latiner.

00:12:49.040 --> 00:12:50.120
Und umso überraschender

00:12:50.260 --> 00:12:50.820
war das ja.

00:12:51.720 --> 00:12:54.040
Ja, das glaube ich. Wenn du jetzt jemandem

00:12:54.060 --> 00:12:55.960
in fünf Minuten das Museum zeigen

00:12:56.220 --> 00:12:57.880
müsstest, wo würdest du mit dem

00:12:58.040 --> 00:13:00.080
zuerst hingehen? Ja, das wäre

00:13:00.220 --> 00:13:01.720
schon die Römerhalle, das ist das

00:13:01.720 --> 00:13:02.520
Spektakuläre.

00:13:04.020 --> 00:13:06.120
In meinen Augen das Spektakulärste,

00:13:06.700 --> 00:13:13.720
weil das findet man weit und breit nicht, solche großen Bodenmosaiken in fast originalem Zustand.

00:13:15.140 --> 00:13:20.260
Hier oben im Norden, sage ich mal, in Pompeji findet man das öfter, aber hier weniger.

00:13:20.860 --> 00:13:21.500
Ja, klar.

00:13:24.380 --> 00:13:28.680
Hat jetzt eigentlich die Arbeit in den Museen deinen Blick auf Geschichte auch verändert?

00:13:29.720 --> 00:13:30.940
Ja, auf jeden Fall auch.

00:13:32.480 --> 00:13:37.220
Ich sehe halt immer die Menschen, die das geschaffen haben, was immer hier steht.

00:13:39.070 --> 00:13:47.040
Und da fühlt man sich manchmal nah, weil wenn man aus dem Fenster schaut und manches sieht, was hier auf den Stichen abgedruckt ist,

00:13:47.820 --> 00:13:55.980
zum Beispiel auch das Gebäude vom Schlosspark hier, das ist wie eine Zeitreise.

00:13:57.240 --> 00:14:02.040
Und dann kann man schauen, was hat sich verändert und was ist dann immer noch relativ gleich.

00:14:03.160 --> 00:14:09.820
und insgesamt, man muss halt, es gibt nicht alle Bereiche, die einen gleich interessieren

00:14:10.840 --> 00:14:16.240
und man muss sich ein bisschen freimachen und dann auch mal sich das genauer anschauen,

00:14:16.260 --> 00:14:20.320
dann sieht man auch da, was da Interessantes zu sehen ist.

00:14:21.420 --> 00:14:26.880
Hast du durch die Museen auch etwas über die Region gelernt, was du vorher gar nicht wusstest?

00:14:27.800 --> 00:14:39.560
Ja, hier in der Nähe von Mainz, dem früheren Mokonsiakum, wusste ich nicht, dass hier so bedeutende Römerbauten waren

00:14:39.780 --> 00:14:50.700
und dass die auch hier in der wirklichen Provinz vor Ort waren, sodass sich Leute solche Mosaiken leisten konnten.

00:14:51.240 --> 00:14:54.700
So was stellt man sich eher in Prachtbauten und Tempel und so weiter vor.

00:14:55.290 --> 00:15:00.780
Aber hier hat ein Gutsherr sich das machen lassen in einem riesigen Hof, den er hier hatte.

00:15:02.600 --> 00:15:03.980
Und das hat mich schon überrascht.

00:15:06.480 --> 00:15:10.640
Warum lohnt sich eigentlich ein Besuch hier im Museum Schlosspark aus deiner Sicht?

00:15:11.240 --> 00:15:17.160
Du sagst so schön Museum Schlosspark, weil der Schlosspark ist eigentlich ein Teil vom Museum.

00:15:17.940 --> 00:15:26.920
Es war ja früher ein Ensemble, Gebäude und Park zusammen angelegt und so ist es auch heute noch weitgehend vorhanden.

00:15:28.580 --> 00:15:35.660
Auf jeden Fall lohnt sich der Hundgang, weil man kommt ein bisschen zur Ruhe.

00:15:36.020 --> 00:15:38.720
Hier ist es eine ruhige Insel mitten in der Stadt.

00:15:39.950 --> 00:15:46.919
Man ist in fünf Minuten mitten in der Stadt und hier kann man richtig die Seele baumeln lassen

00:15:46.940 --> 00:15:49.520
und dann auch schauen, was hier mal früher war.

00:15:52.220 --> 00:15:55.300
Der Römerhalle, hast du ja schon gesagt, die Mosaiken sind besonders.

00:15:56.160 --> 00:15:58.360
Noch irgendwas, was dir da am Herzen liegt?

00:16:00.120 --> 00:16:06.080
Ja, die Glaskunst von den Römern und aus der Spätantike.

00:16:06.420 --> 00:16:14.500
Fläschchen, Gläser, Glasscheiben, da gibt es sogar auch ein Fragment von der Fensterscheibe aus der Zeit,

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was absolut selten ist.

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Ich weiß nur, wie ich sie getragen habe, da habe ich Spudenwasser geschwitzt.

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Und das ist natürlich wirklich sehenswert.

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Das ist die Empore in der Römerhalle, die auch eher so ein bisschen abseits liegt.

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Da muss man gucken, wo es da hochgeht, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

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Wenn du jetzt ein Museumsobjekt mit nach Hause nehmen dürftest, was wäre das?

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Das wäre sicher nicht das Bodenmosaik, das wäre ein bisschen groß.

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Fällt mir ganz schwer zu sagen, vielleicht so ein Glasobjekt, weil das so liebevoll gestaltet ist.

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Damals schon toll farbig, tolle Muster, einfach wunderschön, was man sich kaum vorstellen kann,

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wie das vor 1500, 2000 Jahren hergestellt wurde.

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Welches Objekt würdest du gerne mal fotografieren, das du bisher noch nicht vor der Kamera hattest?

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Tja, eigentlich hatte ich hier schon fast alles vor der Kamera.

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Ich würde gerne mal ins Depot nochmal und jetzt unabhängig von den Schriften, die ich hier oder Stiche, die ich fotografiere,

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da mal gucken, was da noch schlummert.

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Denn da schlummert noch einiges, wo ich gar nicht weiß, was da noch ist.

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Aber das wäre spannend, da mal zu stöbern.

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Ich war auch mal in der Werkstatt unten, eine große Werkstatt.

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Und das sieht auch ziemlich interessant aus.

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Und da sieht man, da ist noch einiges, wo man zeigen könnte.

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Klasse. Was wünschst du dir denn für die Zukunft der Museen?

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Ja, mehr Budget.

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Nicht nur für die Werbung, sondern auch für das Museum.

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Ich weiß, dass es hier nicht ganz einfach ist, so wie es 99 Prozent aller Museen auf der Welt geht.

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Aber wenn man sieht, mit welchem Engagement hier gearbeitet wird und wie bedeutend das für die Region ist,

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denkt man schon, es müsste ein bisschen mehr Beachtung auch monetärer Art haben.

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Ja, weil die Zeisen sind schwer, die Kasse sind knapp. Ja, kann man nur hoffen, dass es wenigstens so weitergeht wie bisher.

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Dass man das alles so erhalten kann und auch der Öffentlichkeit zugänglich machen kann.

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Auf jeden Fall, ja.

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Ja, spannende Einblicke und Momente, Walter. Ich danke dir und ich will dich auch gar nicht mehr jetzt von der Arbeit abhalten.

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Du musst ja heute wieder fleißig Handdriften fotografieren.

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Und dann bin ich mal gespannt, was man da in Zukunft irgendwann mal vielleicht auch sieht.

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Vielleicht wandert das ein oder andere mal eine Ausstellung und wird präsentiert.

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Weil das ist sicherlich sehr interessant, die Schätze, die hier so ruhen, von denen man gar nicht weiß.

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Möglicherweise kommt da wirklich was, weil jetzt wird man erst sehen, was hier noch ist.

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Weil es wird ja nicht ständig geguckt, was da in den Schubladen lagert.

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und wie gesagt das plakat zum beispiel war sehr spannend aber es gibt doch diese ganzen zeichnungen

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die sind schon wert mal gezeigt zu haben ja dann viel erfolg beim fotografieren wollte ich danke dir

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und wir bleiben in kontakt ja auch gerne bis dann tschüss

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CULTURA. Kulturgespräche. Der Podcast von Forum Cultura.

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