Finissage – der feierliche Abschluss einer Ausstellung
Weshalb betonen wir die Bedeutung dieses Wortes? Weil es für uns ein Abschied darstellt. Ein Abschied von Bildern, die eigentlich in diese Räume gehören. Fast so, als wären sie eigens für den Puricelli-Salon gemalt worden – eine besondere Verbindung zwischen Raum und Malerei.
Ganz gleich, von wo aus man in den Salon blickte – es entstanden immer wieder neue Perspektiven. Die Bilder überlagerten sich, traten unterschiedlich in den Vordergrund, andere wurden zum Mittelpunkt einer Nische oder eines Zwischenraums und wirkten gerade dadurch umso präsenter. Es ist schwer zu beschreiben – man muss es einfach selbst gesehen und erfahren haben.
Nun denn – die Kunstausstellung abstrakter Malerei von Christian Mieves ist zu Ende. Wie schade.
Hatten wir zuvor das Glück, die Vernissage zu „Überall ist Mitte“ rein zufällig mitzuerleben, durften wir nun auch den Abschluss der Ausstellung begleiten. Diesmal war alles noch persönlicher und bewegender. Gemeinsam mit Christian Mieves gingen wir noch einmal durch die Räume des Puricelli-Salons. Sein Publikum stellte Fragen, hörte aufmerksam zu, staunte und diskutierte. Es war, als würden wir den Spuren seines Schaffens folgen.
Die Gemälde wurden für uns alle plötzlich lebendig – wie ein Blick über die Schulter des Künstlers. Wir erfuhren, dass alle Bilder auf der Staffelei im Stehen entstehen. Farbe, Bewegung, Rhythmus – alles muss fließen können. Schichten werden abgekratzt, neu übermalt oder bewusst stehen gelassen. Spuren der ersten Pinselführung bleiben sichtbar und treten durch neue, dick aufgetragene Ölfarben wieder hervor. Nichts wird verdrängt – es wird nur verändert und Teil von etwas Neuem.
Christian Mieves erzählte davon, wie er ein Bild am Abend verlässt und es am nächsten Tag mit einem völlig neuen Blick wieder aufnimmt. Die Lichtsituation ist eine andere, seine eigene Stimmung und Gedanken bestimmen die Entwicklung des Bildes. Es vergehen Monate, bis schließlich der ganz besondere Moment zum Ausdruck kommt: „Ich bin fertig.“ Erst jetzt beginnt das Bild dem Betrachter seine ganz eigene Geschichte zu erzählen.
In seiner ruhigen und zugleich sehr leidenschaftlichen Art hat der Künstler uns einen kleinen Einblick in sein Schaffen geschenkt und uns verraten, wie seine Werke entstanden sind. Die Fragen der Besucher wurden dabei fast zu einem Dialog mit den Bildern selbst. Doch auch er hatte eine Frage an seine Zuhörer:
„Haben Sie ein Lieblingsbild für sich entdeckt?“
Ohne zu zögern zeigte ein Gast auf das Werk „Passing through walls“ und erklärte auch sofort warum:
„Meine Lieblingsfarbe ist Blau.“
Mehr musste er eigentlich gar nicht sagen. Das Bild hatte ihn in Farbe und Form ganz für sich eingenommen.
Bei Kaffee, Kuchen und allerlei Leckereien setzte sich der Nachmittag in vielen Gesprächen fort. Man sprach über Kunst, über Eindrücke und Gefühle. Was erkennt man selbst in einem Bild? Welche Stimmung löst es aus? Welche Gedanken bleiben zurück?
Ganz zum Schluss richtete Michel für unseren Podcast noch eine Frage an die Besucher:
„Was nehmen Sie heute für sich mit?“
Eine Antwort darauf werden wir so schnell nicht vergessen:
„Lautloses Leben.“
Wir haben diese Ausstellung mehrfach besucht und immer wieder neu auf uns wirken lassen. Mal ganz alleine, mal gemeinsam mit anderen Besuchern – aber jedes Mal in einer besonderen Begegnung mit dem Schaffen des Künstlers und der magischen Atmosphäre des Museums.
Wie schön, dass es einen Ort wie das Museum Schlosspark mitten in Bad Kreuznach gibt. Für uns ist es immer wieder Anlass, neuen Raum für Kommunikation und auch Meditation zu finden – Farben, Formen, Klänge und Details neu zu erfahren.
Mit der Finissage am 25.07.2026 endet zwar diese besondere Ausstellung. Die Eindrücke, Gedanken und Gespräche, die sie hinterlassen hat, werden uns jedoch noch lange begleiten.
Vielleicht ist genau das das Schönste an guter Kunst: Die Bilder verlassen irgendwann den Raum – ihre Wirkung bleibt.
Vielleicht begegnen wir uns schon bald wieder im Museum Schlosspark.
Die Podcast Episode mit Christian Mieves finden Sie hier
Text: Silvia Sperlich








